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Viele
begeisterte Freunde fand der
Jazzchor „Voice Affair“ aus
dem Raum Ravensburg/ Bodensee bei
seinem Gastspiel im Biberacher
Jazzkeller, und er hat sich wohl
auch neue Freunde gemacht. Auf
Einladung des Jazzclubs waren die
18 Sängerinnen und Sänger des
ausgewogen besetzten Chores unter
Leitung ihrer amerikanischen
Chorleiterin Lib Briscoe auf die
Bretter der kleinen Jazzbühne
gestiegen, auf der es in der Folge
aber auch nicht viel enger zuging
als im proppenvollen
Zuschauerraum.
Mit
Chorpodesten, Tonmeister und
Begleitcombo angereist und mit
sichtlicher Freude am eigenen Tun,
zeigte „Voice Affair“ von
Anfang an in kompromissloser
Deutlichkeit, dass Singen hier mit
ganzheitlichem Anspruch, mit
durchaus künstlerischen
Ambitionen und trotz Amateurstatus
semiprofessionell betrieben wird.
Homogener, ausgewogener Chorklang,
der gleichermaßen aus der
einheitlichen paritätischen
Besetzung, guter Stimmbildung und
sorgfältiger Arbeit des
mitgereisten Mannes am Mischer
resultierte, gepaart mit
rhythmischer Präzision und
sicherer Intonation auch in
jazztypisch eher schrägen
Harmonien, führten zu einem
Chorevent der Extraklasse.
Mit
natürlich und ungekünstelt
wirkenden Stimmen traten auch die
Solisten aus den Reihen des Chores
ihre Aufgaben an. Zu einem der Höhepunkte
im ersten Set wurde die Einlage
einer „boy group“ im Stile der
Comedian Harmonists, bei der
besonders der Tenor auch
Showqualitäten entwickelte und
sich als Countertenor gar in
Sopranlagen vorwagte.
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Die
Begleitcombo aus Saxophon/ Flöte,
Klavier, Bass und Schlagzeug
(Harald Weishaupt, Klaus Bermetz,
Pit Niermann und Florian
Loebermann) lieferte durchweg ein
dezent groovendes Fundament, ohne
den Stimmen die Schau zu stehlen
und trug in ihren versierten
instrumentalen Einlagen zur
Auflockerung bei. Die
Improvisationen wirkten eher
elaboriert und konnten – oder
sollten – in ihrer Intensität
nicht mit der atmosphärischen
Dichte der A-Cappella-Passagen des
Chores mithalten.
Vermittelt
durch ein ästhetisch perfektes
Dirigat erreichte die Chorleiterin
Lib Briscoe eine organische
Verschmelzung mit dem sensibel
reagierenden Chor, der, ohne
Ablenkung durch Notenblätter, als
perfektes Instrument noch auf
kleinste Fingerzeige ihrerseits
reagierte. Nur so konnte die
kleinräumige Flexibilität in der
Dynamik, die transparente
Differenziertheit in den komplexen
Arrangements und die enge
Verzahnung mit der
Instrumentalbegleitung
funktionieren.
Stilistisch
hatte der Chor keinerlei Berührungsängste.
Spirituals und Gospels, Jazz,
Latin oder Pop, auf Englisch,
Portugiesisch oder Deutsch
gesungen, trugen eine lebendige Wärme
und beseelte Innerlichkeit in
sich, die wohl Verdienst der
Chorleiterin ist. Zwei Zugaben
rundeten das Programm ab.
Dr.
Helmut Schönecker, Originaltext für
die
Schwäbische Zeitung,
Oktober 2009 |