Jazzclub Biberach e.V.

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Konzertbericht „Thomas Scheytt“, Freitag, 27.04.01

Thomas Scheytt oder die hohe Kunst des Boogie-Spiels

Der vielbeschäftigte Freiburger, der jetzt auf nachdrückliche Einladung des Jazzclubs zum wiederholten Male in Biberach zu hören war, ist kein schweißtriefender, hemdsärmliger Power-Boogie-Klavierspieler sondern als löbliche Ausnahme in der Szene ein wahrer Meister filigran durchgestalteter, dynamisch differenzierter, sensibel modellierter und vor allem mit einem feinen Gespür für agogische Temposchwankungen und gleichwohl mitreißend groovendem Timing gesegneter Pianist der Extraklasse. Den schlagenden Beweis hierfür lieferten zahlreiche mitwippende Füße, Köpfe oder sonstige Körperteile und eine vielfach nur mühsam gezügelte Lust zum Mittanzen. Ein sorgfältig aufbereiteter, nur sparsam verstärkter Flügelklang mit sonorem Bass und knackigen Höhen komplettierte das Bild des souveränen Unterhaltungskünstlers. Scheytts für diese Stilrichtung ungewöhnliche Gestaltungs- und Ausdruckstiefe, seine ebenso virtuose Bein- wie Fingerarbeit, sein Gespür fürs Publikum und sein überaus kultivierter Anschlag machen aus Boogie, Pianoblues und Ragtime ein elegantes künstlerisches Hochglanzprodukt, dem jede Künstlichkeit abgeht.

Ein mit allen Extras der Luxusklasse ausgestattetes Edel-Waschbrett, fast schon eine Art „Rhythmus-Waschmaschine“, mit Klingeln, Hupen, diversen Metall- und Holzblöcken, Mikrobecken und fingerhutbestückten Spezialhandschuhen, virtuos gemeistert von dem sizilianischen Schlagzeuger Enzo Randazzo, brachte vor allem in den Stepptanzartigen Soloeinlagen nicht nur überschäumende Heiterkeit ins zahlreich erschienene Publikum sondern entfachte regelrechte Beifallsstürme. Am Drumset wirkte Randazzo als dezenter, zweckdienlicher Begleiter, der äußerst aufmerksam und ohne merkliche Verzögerungen auf die feinen agogischen Nuancen Scheytts reagierte.

Zwar nicht ganz 1:1 aber dennoch in einem selten ausgewogenen Verhältnis von Musikdauer und Länge der Beifallskundgebungen zeigte sich ein dankbares, beinahe ergebenes Publikum mit zahlreichen auswärtigen Fans, die teilweise Anfahrtswege über 100km in Kauf genommen hatten. Wenigstens teilweise – so ein weiblicher Fan aus Stuttgart – wurden diese Mühen jedoch durch die moderaten Eintrittspreise und die Bombenstimmung und vollständig natürlich durch die höchst selten zu erlebenden niveauvollen Solo- bzw. Duoauftritte des Freiburger Boogie-Stars (Boogie Connection) im Biberacher Jazzkeller wieder wettgemacht.

Dr. Helmut Schönecker

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