Jazzclub Biberach e.V.

r Jazzband

 

Talking Horns

15. Mai 2009 um 20:30 Uhr im Biberacher Jazzkeller

  Foto Schönecker

Nette Kölsche Jungs ohne Berührungsängste

Mit lockerem Mundwerk, erfrischendem Humor und entspannter Unkompliziertheit erfreuten die vier geistvollen „Blazzmusiker“ aus Köln ihr leider nicht gar so zahlreiches Publikum im Biberacher Jazzkeller. Fans der herausragenden Formation aus der „Champions League der Blasmusik“ hatten am Freitagabend bis zu 80 km Anfahrt in Kauf genommen um eines der raren Konzerte in Deutschland zu besuchen, und sie wurden nicht enttäuscht.

Mit Eleganz und Esprit atmete die wahlweise komponierte oder improvisierte Musik eine anmutige Leichtigkeit, die zwischen beiläufiger Unbekümmertheit und druckvoll zupackendem Groove changierte. Trotz vollständigem Verzicht auf Schlagzeug oder harmonisches Begleitinstrumentarium kamen selbst stark rhythmisch geprägte Reggae- oder Funktitel („Ragapapa“, „Arme Leute Funk“) genretypisch rüber.

Vom mittelalterlichen Choral (Vulpius) über eine Bach'sche Sarabande im Latino-Stil (Beitrag zum Bachfest in Leipzig in Kombination mit einer Kubatour) bis zu blasmusikalischen Leckereien, etwa in einer Stilparodie der süditalienischen Blaskapellen , den „Bandas“, zeigten die vier nach knapp 15-jähriger Bandgeschichte bestens aufeinander eingespielten Ausnahmemusiker der „Talking Horns“ keinerlei Scheu vor den unterschiedlichsten Sujets.

Musikalische Humoresken wie „Slivowitz“ oder „Autoput“ mit balkanischen Einflüssen standen neben Skurrilitäten wie „Eichhörnchenballett“ oder den „Talking Horses“. Gegrunze, Gequake, Gewieher oder Geschnaube, mit und ohne „richtige“ Instrumente, unter exponiertem Einsatz von Entenlockpfeifen, Spieldosen, umgebauten Kindertrompeten, „talking drums“ aus dem Backstage-Raum und ähnlichem zu Instrumenten umfunktioniertem „Gedöns“ hinterließen beim Publikum erst Kopfschütteln, dann Schmunzeln und Lachen, schließlich heftige Begeisterung. Die „Talking Horns“ waren unterhaltsam ohne trivial zu sein, konzertant-virtuos und dennoch nicht anstrengend, gefühlvoll ohne falsche Sentimentalität und trotz aller harmonischen Gebundenheit auch „schön schräg“ mit der nötigen klanglichen Würze.

Ob der in Innsbruck lebende Produzent der Musik zur „Sendung mit der Maus“, Andreas Gilgenberg, an Flöte, Klarinetten und Saxophonen oder der im „Starlight Express“ und „Saturday Night“–Ensemble bewährte musikwissenschaftlich studierte Publizist Stephan Schulze an Flügelhorn, Posaune, Tuba oder anderen „Spielzeugen“, der gefragte Theatermusiker und Bandleader Achim Fink „an allem, was klingt“ oder der fernseherprobte Kölner Kultmusiker Bernd Winterschladen an diversen Saxophonen, jeder Musiker der „Talking Horns“ hat nicht nur ein eigenes Charisma und eine eigene selbständige Karriere gemacht, sondern im originellen künstlerischen Konzept der „sprechenden Hörner“ eine eigene überzeugende Rolle gefunden.

Zum wiederholten Male dürfen die „Talking Horns“ daher auch als Botschafter deutscher Kultur über das Goetheinstitut auf eine weltumspannende Tournee – die Biberacher Fans durften das Programm sowie drei Zugaben schon vorher miterleben.

Originaltext 

Dr. Helmut Schönecker

Musiker lassen Hörner                   sprechen

BIBERACH (sz) Mit lockerem Mundwerk, erfrischendem Humor und entspannter Unkompliziertheit haben vier "Blazzmusiker" die Gäste im Jazzkeller beschallt. Die Besucher nahmen für "Talking Horns" bis zu 80 Kilometer Anfahrt in Kauf, trotzdem füllte sich der Keller nicht so recht.

Mit Eleganz und Esprit atmete die komponierte und improvisierte Musik eine anmutige Leichtigkeit, die zwischen beiläufiger Unbekümmertheit und druckvoll zupackendem Groove changierte. Trotz vollständigen Verzichts auf Schlagzeug und harmonisches Begleitinstrumentarium kamen selbst stark rhythmisch geprägte Reggae- und Funktitel genretypisch rüber.

Die durch die 15-jährige Bandgeschichte bestens eingespielten Musiker zeigten keinerlei Scheu vor den unterschiedlichsten Sujets: Vom mittelalterlichen Choral über eine Bach'sche Sarabande im Latino-Stil bis zu blasmusikalischen Leckereien, etwa in einer Stilparodie der süditalienischen Blaskapellen, den "Bandas.

Musikalische Humoresken wie "Slivowitz" oder "Autoput" mit balkanischen Einflüssen standen neben Skurrilitäten wie "Eichhörnchenballett" und den "Talking Horses", einem Gegrunze, Gequake, Gewieher und Geschnaube, mit und ohne "richtigen" Instrumente. Dazu setzten die Kölner unter anderem Entenlockpfeifen, Spieldosen und umgebaute Kindertrompeten exponiert ein. Sie spielten auch auf ihren "Talking Drums", scheinbar unmusikalische Gegenstände, die sie in Backstageräumen und woanders fanden.

Die Experimentierfreudigkeit sorgte beim Publikum erst für Kopfschütteln, dann für Schmunzeln und Lachen und führte letztendlich zu heftiger Begeisterung. Die "Talking Horns" waren unterhaltsam, ohne trivial zu sein, konzertant-virtuos und dennoch nicht anstrengend, gefühlvoll ohne falsche Sentimentalität und trotz aller harmonischen Gebundenheit auch "schön schräg" mit der nötigen klanglichen Würze.

Quartett spielt alles, was klingt

Jeder Musiker der "Talking Horns" hat nicht nur ein eigenes Charisma und eine eigene selbstständige Karriere gemacht, sondern im originellen künstlerischen Konzept der "sprechenden Hörner" eine eigene überzeugende Rolle gefunden. Der in Innsbruck lebende Produzent der Musik zur "Sendung mit der Maus", Andreas Gilgenberg, bewies sich an Flöte, Klarinetten und Saxofonen. Stephan Schulze an Flügelhorn, Posaune, Tuba oder anderen "Spielzeugen" verdient sein Geld in den Ensembles von "Starlight Express" und "Saturday Night". Der gefragte Theatermusiker und Bandleader Achim Fink spielte bei dem Konzert "an allem, was klingt". Das Quartett macht der fernseherprobte Kölner Kultmusiker Bernd Winterschladen an diversen Saxofonen komplett.

Zum wiederholten Male gehen die "Talking Horns" daher auch als Botschafter deutscher Kultur über das Goethe-Institut auf Welttournee.

 

Schwäbische Zeitung 20.05.2009

 

 

 

 

© Jazzclub Biberach e.V. | Alle Rechte vorbehalten