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Konzertkritik zum
28.01.05 im Jazzkeller Biberach
Vielversprechende
Auftaktveranstaltung zu "Sax in the City“
Musikalische
Chamäleons mit Hang zur Poesie

Foto Schönecker
Vor
vollem Hause eröffnete das Mannheimer Jazzquintett
um Torsten Steudinger und Olaf Schönborn mit
ihrem aktuellen Projekt „Changes“ im Biberacher
Jazzkeller die neue Konzertreihe des Biberacher
Jazzclubs, die sich heuer ganz dem Saxophon widmet.
Der Frontmann am
Alt- und Sopransaxophon, der mit typisch „Mannämer
Gosch“ das Programm moderierte, dominierte auch
musikalisch die Formation des Pforzheimer
Kontrabassisten und Komponisten Steudinger, der sich
selbst dezent im Hintergrund hielt. Gut
strukturierte Arrangements mit einprägsamen,
weitgespannten Melodien und eine atmosphärisch
dichte Interpretation mit einem derb zupackenden
Groove komplementärrhythmisch angelegter Strukturen
ließen die eisigen Temperaturen vor der Tür
schnell in Vergessenheit geraten und die gefühlte
Temperatur rasch ansteigen. Die Rhythmusgruppe,
bestehend aus Schlagzeuger Lars Binder, dem
Gitarristen Daniel Stelter sowie dem Bandleader,
trug ihren Saxophonisten gewissermaßen auf Händen
und ließen diesem viel Freiraum für seine
melodischen Improvisationen, die immer dort am
besten waren, wo er sich um die Umsetzung poetischer
Bilder bemühte, sich darin verlor und oftmals zu
ekstatischer Intensität steigerte.
Die durch ein
gemeinsames Studium an der Mannheimer
Musikhochschule verbundenen Musiker deckten mit
ihren veritablen Eigenkompositionen eine große
stilistische Bandbreite mit starken Fusion-Tendenzen
ab. Wofür allerdings die Projektbezeichnung „Changes“
steht, für Veränderung und Wandel oder doch eher für
die traditionelle „Harmoniefolge“, war aus der
Struktur ihrer Musik kaum zu entnehmen. Obwohl die
Musiker keine Experimente wagten - die zumeist gefälligen,
mitunter auch virtuosen Improvisationen waren auf
weite Strecken durch beinahe schulmäßig
eingesetzte Sequenzierungstechniken und Skalenspiel
geprägt, konventionelle Akkordfolgen („changes“),
ostinate Fügungen innerhalb tonaler Zentren oder
repetitive Figuren herrschten vor - vermochten sie
ihr Publikum lange Zeit zu fesseln.
Im zweiten Set
ließen Kondition und gestalterische Kraft
allerdings etwas nach, die Dramaturgie der sämtlich
auf der aktuellen CD „Changes“ verewigten Stücke
flachte ebenso ab, wie der Beifall. Das
Auseinanderfallen kontrastierender Stilelemente bei
vermindertem Energieeinsatz erwies sich einmal mehr
als eklektizistische Fußangel für musikalische
Chamäleons. Besonders beim etwas farblos wirkenden
Stuttgarter Ersatz für den aus Ravensburg
stammenden Klassepianisten Rainer Böhm zeigten sich
die Schwächen des Konzeptes. Leider gab es keine
Erklärung fürs Publikum, weshalb Böhm nicht auf
der Bühne stand (ein kurzfristiges Engagement beim
WDR, konnte man auf Nachfrage hören). Schade
eigentlich, denn trotz guter Ansätze schien mit
Rainer Böhm auch die Seele des Projektes zu fehlen,
eines Projektes das durchaus die Chance auf neue
Wege eröffnet, mit dem Ziel in kraftvoller Dynamik
die stilistische Vielfalt unserer Zeit in einem
eigenen, überzeugenden Personalstil zu
konkretisieren.
Dr. Helmut Schönecker
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