Jazzclub Biberach e.V.

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Siggi Stehles s-Jazz in der Jazzclubreihe „Sax in the City“
am 8. April 2005 im Biberacher Jazzkeller


Zündfunke in dichtem Klangteppich erstickt


Die Aufklärung wofür S-Jazz steht – Siggi Stehle, Sängerin Si Backu, Saxophon oder synthetische Sounds – wurde zwar nicht mitgeliefert beim letzten Jazzclubkonzert, dafür konnten sich die Zuhörer ihren eigenen Reim darauf machen, wofür es garantiert nicht steht: Für schnellen, spritzigen, spektakulären Spitzenjazz der Superlative.

Am stiltypischen Sound lag es wohl nicht, auch wenn der im übrigen durchaus einfallsreich agierende Kontrabassist Florian Wagner mitunter etwas dick auftrug und mit breiten, mulmigen Klängen das Geschehen über weite Strecken dominierte. Es lag auch nicht an den beiden versierten Tastenlöwen Siggi Stehle und Johannes Steidle, die außer stilsicher zupackenden Improvisa- tionen auf ihren archaisch-kultigen Soundmaschinen, vielleicht geblendet von einer alten Jugendliebe oder dem neuen Ray Charles-Film, manch überflüssigen Klangteppich webten. Am technisch perfekten Saxophonvirtuosen Volker Wagner, dem Aufhänger für die Aufnahme der Formation in die Jazzclub- Veranstaltungsreihe „Sax in the City“,  gab es rein gar nichts zu mäkeln. Die physische Präsenz sowie die herausragenden stimmlichen Qualitäten der Frontfrau Si Backu standen ohnehin außer Frage, wenn sich die Sängerin des BUJAZZO mit ihrem dezenten Charme auch nicht unbedingt in den Vordergrund drängte. Timing und Groove, kompositorische Einfälle und Arrangements der Formation stimmten passgenau, waren handwerklich sauber gearbeitet, mitunter sogar gediegen.

Und dennoch fehlte etwas ganz Entscheidendes: der berühmte Funke wollte einfach nicht überspringen. Die Musik wirkte gefällig und glatt, dabei aber eher beiläufig, der Beifall blieb höflich verhalten, die Musiker wirkten seltsam unbeteiligt.  Mit angezogener Handbremse und teils nur durch langjährige Routine in Gang gehalten, lief ein bei Lichte besehen durchaus ansprechendes Programm ohne besondere Highlights in reservierter Emotionalität ab.  Nur ansatzweise brachten Siggi Stehles S-Jazzer die gespannten Saiten ihres Publikums zum Schwingen. Frühling im Rückwärtsgang war nicht nur draußen vor der Tür angesagt.

Spät, vielleicht zu spät, lösten sich die S-Jazzer aus dieser Zurückhaltung um beim letzten Stück des Abends schließlich doch noch überraschend den Abstand zu verkürzen und anzukommen bei einem  nicht sonderlich zahlreichen, dafür aber sehr aufmerksamen und letztlich auch dankbaren Publikum, welches zum offen bekannten Erstaunen der Musiker gar noch eine Zugabe herausklatschte.

Dr. Helmut Schönecker

 

www.siggi-stehle.com

 

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