Jazzclub Biberach e.V.

r Jazzband

 

Sonny Blues

Freitag 8. Oktober 2010 um 20:00 Uhr im Jazzkeller

"Sonny Blues" mit eindrucksvollen "bluesharp battles"

Schwer zu sagen, worin das Geheimnis so vieler polnischer Musiker besteht, Jazz oder Blues von den Wurzeln und ursprünglichen Intentionen her zu erfassen und damit in höchst authentisch wirkender Weise überzeugend zu interpretieren. Einmal mehr lieferte die polnische Gruppe „Sonny Blues" aus der Biberacher Partnerstadt Schweidnitz im Rahmen der polnischen Woche anlässlich des 20jährigen Jubiläums der Städtepartnerschaft den klingenden Beweis dafür. Die sechs Musiker um Roman Bednarz plus Sängerin Renata Król erweckten im Freitagabendkonzert des Jazzclubs völlig unakademisch, unverstellt, urig, erdig, ja dreckig und schlammig im Sinne des „Hoochie Coochie Man" Muddy Waters, dessen  berühmten Blues „Got my Mojo Working" in verblüffend echter Form wieder zu neuem Leben.

In weitgehend konventionellem Zuschnitt, gerahmt von gesungenem  Chorus mit locker eingestreuten Improvisationsfolgen erklangen vor begeistertem Publikum zumeist Klassiker der Blueshistorie. Nach etwas verhaltenem Beginn spielten sich „Sonny Blues" zunehmend frei. Renata Król ließ auch an ihrer Mimik erkennen, dass sie sich immer wohler fühlte, die Gitarristen Artur Wojtusiak und Waldek Mucha schlugen noch beherzter in die Saiten und scheuten auch keine harten, verzerrten Rocksounds oder schwere Bluesrockpatterns. Bandleader und Bassist Roman Bednarz groovte souverän, unterstützt durch ein dynamisch zupackendes Schlagzeug und lateinamerikanisch gefärbter Perkussion, während der größte Aktivposten des Abends, der Bluesharp- bzw. Mundharmonikaspieler „Pako" regelrecht zur Hochform auflief. Mit dem Gitarristen, der immer wieder zur Bluesharp wechselte, lieferte er sich regelrechte „Bluesharp-Battles", spannende, ausdrucksstarke Dialog-Improvisationen, die für kurzweiligen Hörgenuss sorgten und wohl auch in der Oberliga der europäischen Bluesszene anzusiedeln waren. 

Nach einer gern gewährten Zugabe und dem Ende des offiziellen Programms fanden sich die spielfreudigen Musiker nach einer kurzen Verschnaufpause unkompliziert zu einer kleinen Jamsession zusammen und ermöglichten damit, zusammen mit polnischen und deutschen Gästen, einen geselligen Ausklang des erfolgreichen Abends.

Dr. Helmut Schönecker

Originaltext für die Schwäbische Zeitung Biberach

 

 

 

 

 

 

 

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