Jazzclub Biberach e.V.

 

  

 

Frank Sikora, geboren 1956 in LondonAbitur 1975 am Wieland Gymnasium BiberachAusbildung in Komposition/Arrangement und Gitarre am Berklee College of Music und dem New England Conservatory in Boston/USA — Danach ausgedehnte Konzerttätigkeit — Regelmäßige Kompositionsaufträge — Über 300 Instrumental- und TheorieworkshopsLehrauftrag an der Musikhochschule Stuttgart — Professor an der Hochschule für Musik und Theater in Bern — Musikalische Leitung des "Zürich Jazz Orchestra" — Autor der "Neue(n) Jazz-Harmonielehre" 

 

Bücher Neuerscheinung 2003

 

Frank Sikora: 

Neue Jazz-Harmonielehre 

Verstehen, Hören, Spielen. Von der Theorie zur Improvisation
Schott, Mainz, 2003. 589 S. mit 2 CD-Audios 
und zahlreichen Notenbeispielen. Artikelnr./ISBN: 3795751241; 24,90 EUR

 

Verstehen – Hören – Spielen: So lautet der Untertitel einer beim renommierten Schott-Verlag in Mainz kürzlich erschienenen "Neuen Jazz-Harmonielehre" von Frank Sikora (Abitur am Wieland-Gymnasium Biberach 1975), Professor für Komposition und Arrangement an der eidgenössischen Hochschule für Musik und Theater in Bern, einer neuartigen Harmonielehre, die von der Theorie zur Improvisation führen soll.

 

Bereits in der Abfolge der Begriffe im Untertitel offenbart sich ein tiefes, aus der Praxis gespeistes Verständnis der Musik, insonderheit des Jazz als improvisierter Musik schlechthin. Die in Hunderten von Kursen mit jungen Musikern gereifte Erkenntnis des Autors, dass ohne ein wenigstens elementares Verständnis der harmonisch-strukturellen Zusammenhänge der Laie nur hört, dass da was erklingt, nicht aber was denn da erklingt, zieht sich wie ein roter Faden durch das knapp 600 Seiten umfassende Buch. Pädagogisch konzipiert, ohne dabei in den Fehler methodischer Programmatik zu verfallen, bietet die "Neue Jazz-Harmonielehre" dem Anfänger wie dem Fortgeschrittenen Substantielles. 360 Kapitelseiten, darunter auch ausgewählte Analysen und Transkriptionen, sind dem Verstehen, rund 100 Seiten dem Hören und Vergleichen sowie nochmals 100 Seiten (sowie zahlreiche Downloads) dem Spielen gewidmet. Selbsttests zur Lernkontrolle an jedem Kapitelende – die Lösungen stehen kostenlos im Internet bereit – sowie gleich 2 im Lieferumfang enthaltene CDs (!) verstehen sich als Brücke von der Theorie zur Praxis. Dabei begreift Frank Sikora Theorie nicht als die abstrakte, abgehobene Logik harmonischer Systeme, wie sie in vielen gängigen Harmonielehren von höchst selbstbewussten Autoren mit glasklarem Intellekt wissenschaftlich sauber aufgefächert wird,  sondern als durchaus flexible und kreative Regelhaftigkeit hinter der Praxis, die einer Erkenntnis auch gleichzeitig Sinn verleiht und die sinnlichen Wahrnehmungen Erkenntnischarakter beimisst.

Das verstehende Hören, in Adornos Terminologie das strukturelle Hören der Experten, bildet auch die Grundvoraussetzung des improvisierten Spiels. Nicht das gedankenlose Abnudeln eingepaukter Patterns, das phantasievolle Generieren sinnvoller musikalischer Einfälle in Echtzeit ist das erklärte Ziel. Ein Ziel, dem sich zahlreiche Autoren ähnlich lautender Werke verschrieben haben. So wurden etwa am renommierten Berklee College of Music in Boston, einer Institution, die auch der Autor durchlaufen hat, schon vor Jahren ausgefeilte Programme entwickelt, die ihre Ziele jedoch auf oftmals mechanistischem Weg anstrebten und die ihren Absolventen ein musikalisches Etikett aufklebten, an dem sie überall auf der Welt rasch erkannt und eingeordnet werden konnten. Frank Sikora, im Nebenberuf auch Lehrbeauftragter für Arrangement und Gehörbildung an der Musikhochschule Stuttgart, hat sich künstlerisch und mit dem vorliegenden Opus auch als Autor weit über diese Anfänge erhoben. Doch waren es vielleicht gerade diese Vorerfahrungen, die seine „Neue Jazz-Harmonielehre“ nicht einfach nur zu einem weiteren, sich selbst genügenden Werk für die großen Fachbibliotheken werden ließ, sondern einen individuellen Weg zur musikalischen Praxis wiederspiegeln und aus der kritischen Reflexion ein in hohem Maße praxistaugliches Werk hervorbrachten, das, nicht zuletzt auch vom Verlag  durch einen höchst moderaten Preis (€ 24,90) unterstützt, mit großer Wahrscheinlichkeit zu einem Standardwerk für die musikalische Ausbildung an Schulen und Hochschulen werden dürfte. Ein großer Wurf.

 

Rezension Dr. Helmut Schönecker

in: Schwäbische Zeitung 5. Juli 2003

 

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