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Gleich
zum Auftakt ihrer Europatournee
2009 kam die in New York lebende
kanadische Star-Trompeterin Ingrid
Jensen mit ihrem amerikanischen
Mann und Schlagzeuger Jon Wikan
auf Einladung des Jazzclubs in den
Biberacher Jazzkeller. Jürgen
Seefelder, Saxophonprofessor an
der Musikhochschule Mannheim,
nutzte seine guten persönlichen
Kontakte zu Jensen aus ihrer Zeit
am Bruckner-Konservatorium in
Linz, um zu diesem Anlass ein
exklusives deutsch-amerikanisches
Quintett zusammenzustellen.
Wenn
moderner Hardbop, wie er derzeit
in New York en vogue ist,
die Speerspitze der
Jazz-Avantgarde bildet, dann waren
die Biberacher am Freitagabend
ganz vorne dabei. Der aus dem
benachbarten Ravensburg stammende
Ausnahmepianist Rainer Böhm, momentan
ebenfalls Wahl-New Yorker, sowie
Seefelders Professorenkollege
Thomas Stabenow am Kontrabass
komplettierten das Quintett, das
nicht nur fünf Spitzenmusiker,
sondern auch fünf geniale
Komponisten zu einem
abwechslungsreichen, originellen
Programm zusammenbrachte.
Rainer
Böhms jüngste CD-Produktion
„Red Line“ war dabei Quelle
einiger hoch interessanter
Kompositionen, in deren
Mittelpunkt selbstredend zuerst
seine ungewöhnliche pianistische
Virtuosität und der kreative
Einfallsreichtum beim
Improvisieren stand, die aber auch
einen innovativen Musikstil ganz
eigenen Zuschnitts boten.
Sehr
profiliert und souverän, in den
Soloteilen gar mit einem
ordentlichen Schuss Humor
versetzt, in den begleitenden
Teilen dynamisch leider etwas
stark zurückgenommen,
konnte
Thomas Stabenow in
„Waterproof“ sowie in einer märchenhaften
Komposition über allzu oft
wechselnde |
"Lebensabschnittsgefährtinnen"
eigene musikalische Akzente
setzen. Jürgen Seefelder, der
Initiator des fulminanten
Projektes, zeigte an seinen
Keilwerth-Saxophonen ein breites
technisches und stilistisches
Spektrum sowie einen markanten,
eher abgeklärt wirkenden Stil,
den er aber in dem hochkarätigen
Umfeld vehement verteidigen
musste.
Jon
Wikan gab sich am kleinen
Yamaha-Set bopmäßig druckvoll
und dynamisch zupackend, in seinen
eigenen Kompositionen geradezu überschäumend.
In der akustischen Besetzung
wirkte dies jedoch mitunter etwas
zu dominant, vor allem auf Kosten
von Flügel und Kontrabass.
Ingrid
Jensens hoch verdichteter, in
seiner Melodik stark rhetorisch
geprägter, höchst
ausdrucksvoller Improvisationsstil
schien dabei noch mal eine Klasse
für sich. Jensen ist ohne Zweifel
musikalisch nicht mehr auf der
Suche. Ihr ebenso cooler wie
vitaler Personalstil ist eine ganz
eigene Marke der Premiumklasse.
Souveräne relaxte Höhen,
kraftvolle und dynamische Mitten
und samtig schnurrende Tiefen,
besonders wenn sie von der
Trompete aufs Flügelhorn
wechselte, vor allem aber ein
kompromissloser gestalterischer
Zugriff auf die ganze Formation
waren kennzeichnend für Jensen.
In
dem als Zugabe gebotenen Titel
„Cowboy“ ihrer Schwester
Christine lief das Quintett noch
mal zur Hochform auf und
begeisterte rundum.
Dr.
Helmut Schönecker,
Originaltext
für
die
Schwäbische Zeitung,
November
2009 |