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Jürgen Seefelder - Ingrid Jensen Quintett

6. November 2009 um 20:30 Uhr im Biberacher Jazzkeller

  Foto Schönecker

Jürgen Seefelder - Ingrid Jensen Quintett begeisterte rundum

Gleich zum Auftakt ihrer Europatournee 2009 kam die in New York lebende kanadische Star-Trompeterin Ingrid Jensen mit ihrem amerikanischen Mann und Schlagzeuger Jon Wikan auf Einladung des Jazzclubs in den Biberacher Jazzkeller. Jürgen Seefelder, Saxophonprofessor an der Musikhochschule Mannheim, nutzte seine guten persönlichen Kontakte zu Jensen aus ihrer Zeit am Bruckner-Konservatorium in Linz, um zu diesem Anlass ein exklusives deutsch-amerikanisches Quintett zusammenzustellen.

Wenn moderner Hardbop, wie er derzeit in New York en vogue ist, die Speerspitze der Jazz-Avantgarde bildet, dann waren die Biberacher am Freitagabend ganz vorne dabei. Der aus dem benachbarten Ravensburg stammende Ausnahmepianist Rainer Böhm, momentan ebenfalls Wahl-New Yorker, sowie Seefelders Professorenkollege Thomas Stabenow am Kontrabass komplettierten das Quintett, das nicht nur fünf Spitzenmusiker, sondern auch fünf geniale Komponisten zu einem abwechslungsreichen, originellen Programm zusammenbrachte.

Rainer Böhms jüngste CD-Produktion „Red Line“ war dabei Quelle einiger hoch interessanter Kompositionen, in deren Mittelpunkt selbstredend zuerst seine ungewöhnliche pianistische Virtuosität und der kreative Einfallsreichtum beim Improvisieren stand, die aber auch einen innovativen Musikstil ganz eigenen Zuschnitts boten.

Sehr profiliert und souverän, in den Soloteilen gar mit einem ordentlichen Schuss Humor versetzt, in den begleitenden Teilen dynamisch leider etwas stark zurückgenommen, konnte Thomas Stabenow in „Waterproof“ sowie in einer märchenhaften Komposition über allzu oft wechselnde 

"Lebensabschnittsgefährtinnen" eigene musikalische Akzente setzen. Jürgen Seefelder, der Initiator des fulminanten Projektes, zeigte an seinen Keilwerth-Saxophonen ein breites technisches und stilistisches Spektrum sowie einen markanten, eher abgeklärt wirkenden Stil, den er aber in dem hochkarätigen Umfeld vehement verteidigen musste.

Jon Wikan gab sich am kleinen Yamaha-Set bopmäßig druckvoll und dynamisch zupackend, in seinen eigenen Kompositionen geradezu überschäumend. In der akustischen Besetzung wirkte dies jedoch mitunter etwas zu dominant, vor allem auf Kosten von Flügel und Kontrabass.

Ingrid Jensens hoch verdichteter, in seiner Melodik stark rhetorisch geprägter, höchst ausdrucksvoller Improvisationsstil schien dabei noch mal eine Klasse für sich. Jensen ist ohne Zweifel musikalisch nicht mehr auf der Suche. Ihr ebenso cooler wie vitaler Personalstil ist eine ganz eigene Marke der Premiumklasse. Souveräne relaxte Höhen, kraftvolle und dynamische Mitten und samtig schnurrende Tiefen, besonders wenn sie von der Trompete aufs Flügelhorn wechselte, vor allem aber ein kompromissloser gestalterischer Zugriff auf die ganze Formation waren kennzeichnend für Jensen.

In dem als Zugabe gebotenen Titel „Cowboy“ ihrer Schwester Christine lief das Quintett noch mal zur Hochform auf und begeisterte rundum. 

Dr. Helmut Schönecker, 

Originaltext für die Schwäbische Zeitung,

November 2009

 

 

 

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