Zum
traditionellen Kult-Auftritt der smarten
Doppel-Twens kam dieses Jahr Frischluft
ins Programm. Nach 20 Jahren
Jazzkeller-Enge ward die
Schützenkeller-Halle adäquate Voliere
für ihre dynamischen Töne und frei
fliegenden Bonmots. Sie fasst gut zwei
Jazzkellerfüllungen. Trotzdem waren
noch Stehplätze gefragt.
Gespeist
wird ihr unikater Stil durch ein „Vieltakt"-Gemisch
aus mentaler Vernetzung, Gespür für
Rampen-Appeal, Spielfreude,
Spontaneität und musikalische
Dialogfähigkeit. Selbst offensivem Jazz
lassen sie eine Grundmenge Swing,
sichern so der Abfolge stilgetreuen
Fluss.
Rüdiger
Przybilla (Saxophon), Hanspeter Schmid
(Posaune), Magnus Schneider (Piano,
Akkordeon), Christoph Reck (Gitarre),
Martin Schmid (Bass), Peter Schmidt
(Schlagzeug) sind die Akteure. Das
Programm war eines ihrer besten. Markant
akzentuiert: Experimentelles,
Schmeichel-Sound, Latin-Würze. Harte
Probenarbeit war erahnbar, wurde aber
durch routinierte Lässigkeit süffig
gemacht. In dichter Folge zeigten die
Solisten Highlights. Das Saxophon
glänzte durch eruptives
Improvisationsfeuerwerk bei Solopassagen
wie durch Akkuratesse im – oft
synkopisierten – Paarlauf mit der
Posaune, die ihrerseits sonore Wärme
einbrachte, durch griffige
Ansatztechnik, die Kunst des Diminuendo
und füllige Soli bestach. In
bläserfreien Stücken wie „Wave"
zeigte der Gitarrist, der seine
Instrumente teils selbst baut, packende
Gestaltungsideen und technische
Brillanz, die das Akkordeon spielerisch
leicht aufnahm, mit raumgreifenden
Imrovisationsgirlanden die fast endlose
Weite, filigrane Aussage und
Dosierbarkeit dieses Klangtyps
demonstrierte. Durch Pep, Drive und
stringenten Schub sorgten die
Rhythmus-Brüder Peter und Martin Schmid
für das bärentypische Pulsieren der
Stücke. Martin trat mit behänden Soli,
wie in „My Romance" akustisch an
die Rampe und Peter überzeugte erneut
durch die Beherrschung seiner Technik
und deren Einsatz der nie in Dominanz
ausuferte. Das Schützenfest-Stück
stammt aus der Feder des Gitarristen und
der Pianist schöpfte in „Waltz for
Debby" alle Dimensionen aus.
Gags
wie Einschub von
doubletime-Schlägen und die Umtopfung
des Walzer-Mittelteils in den 4/4-Takt
fehlten ebenso wenig wie die umlaufenden
humorigen Sprüche. Selbst auf die
Bären-Groteske war Verlass. Jeder
musste bei „Tochter Zion" ein
Fremdinstrument spielen. Und es klang
absolut singbar. Wohlhabend müssen sie
geworden sein. Denn beim obligaten
Rätsel gab es Preise diesmal „sackweise".
Nach drei Stunden und zwei Zugaben ging
man rootbear-selig heim.
Dieter
Schefold
Originaltext
für die Schwäbische Zeitung