Jazzclub Biberach e.V.

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Michael Nessmann Quintett im Jazzkeller

Versunkene Schätze an verborgenen Orten

Oberflächlich gehört waren es vielleicht nur die introvertierten Fusion-Klänge einiger urbaner Individualisten. Wer aber beim jüngsten Konzert des Biberacher Jazzclubs am Freitagabend zum Ende  einer arbeitsreichen Woche noch die Konzentration zum aufmerksamen Zuhören aufbringen konnte, wurde reichlich dafür entlohnt. Unter der nervigen, rhythmisch groovenden Oberfläche einer kraftvollen Musik kamen faszinierende musikalische Welten zum Vorschein.

Das Stuttgarter Michael  Nessmann Quintett, überwiegend mit Eigenkompositionen des gitarrespielenden  Bandleaders munitioniert, verschmolz in überzeugender Weise die verschiedenen Stilrichtungen des ausgehenden 20. Jahrhunderts zu einem Konglomerat eindringlicher Töne und Harmonien in deren Tiefen zahllose meist autonom-musikalische Ideen versteckt waren, gleich geheimnisvollen versunkenen Schätzen an verborgenen Orten - so der phantasievolle Titel einer der eher ruhig-sphärischen Titel des Abends.

Immer selbstlos im Hintergrund, selbst in den kurzweiligen, tadellosen Improvisationen eher schüchtern und verhalten, introvertiert aber dennoch ausdrucksvoll und ausdrucksstark agierte die Jazz Lady Maike Mohr an Keyboard und Flügel. Ein Genuss, der Genese ihrer sensiblen Improvisationen am Flügel zu lauschen. Die elektronischen Keyboard-Sounds klangen jedoch meist etwas dünn und harmlos. Weit dominanter und klangmächtiger, unterstützt durch ein üppig  dimensioniertes Multieffektgerät, keinesfalls aber unsympathisch und  penetrant erwies sich der Bandleader lediglich in seinen Ansagen als etwas  unbeholfen.Seine Improvisationen, noch mehr jedoch die brillanten  Unisonolinien, die er meist mit dem Saxophonisten Harald Schneider simultan zelebrierte und eben nicht, wie in der Szene oft gehört, nur "herunternudelte". Schneider gehörte mit seinen seelenvollen Saxophontönen  zweifelsfrei zu den melodischen Aktivposten der Formation, sein rhythmisches Pendant Jörg Biefledt am Schlagzeug zeichnete für den subkutanen Groove verantwortlich. Sein satter Schlagzeugsound wurde nur noch übertroffen durch einen unglaublich sinnlichen, schmatzend-schlammigen E-Bass-Sound von Henrick Mumms 5-Saiter, der nicht nur für einen präzisen packenden Unterbau sondern eben auch für die vielzitierten "good vibrations" sorgte. Was Wunder, dass nach dem fetzigen Schlusstitel, der seinerseits
eines der Highlights des Abends war, vom begeisterten Publikum trotz später Stunde noch eine Zugabe  eingefordert wurde.

Von Dr. Helmut Schönecker

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