Jazzclub Biberach e.V.

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11. Biberacher Musiknacht am Freitag den 11. März 2005 

 

Musikalische Wanderer zwischen den Welten

Kaum ein Ereignis außerhalb des Schützenfestes motiviert so viele Menschen, sich ins Biberacher Nachtleben zu stürzen, wie die Biberacher Musiknacht. Und obwohl sich der Winter heuer von seiner eher unfreundlichen Seite zeigte und angesichts einer hohen Veranstaltungsdichte in den letzten Tagen war auch die 11. Auflage dieses Ereignisses wieder ein voller Erfolg. 

 

Nach eher verhaltenem Beginn füllten sich die beteiligten Lokale bald mit dem erwarteten Fan-Publikum. Entsprechend der breiten stilistischen Angebotspalette von Blues, Country & Western, Folk, Cajun und Oldtime Jazz über Swing, Latin, Reggae zu Rock 'n' Roll, Rockabilly zu Cover Rock und HipHop war das Musiknacht-Völkchen nicht nur zahlreich sondern auch bunt gemischt. Besonders erfreulich dabei war jedoch, dass nicht viele Einzelveranstaltungen mit je eigenem Fanpublikum nebeneinander stattfanden, Jazzfans nur im Pflugkeller, Ska-Fans im Alten Haus, Blues-Fans im TG-Heim verblieben, sondern dass zahlreiche Besucher aller Altersgruppen die
Bereitschaft zeigten, zwischen verschiedenen musikalischen Welten zu wandern, aus dem hermetischen Spartendenken auszubrechen, Leute zu treffen, zu kommunizieren. Viele der in kleinen oder größeren Gruppen die insgesamt 18 Lokalitäten abklappernden älteren Herrschaften wären unter gewöhnlichen Veranstaltungsverhältnissen niemals zu einer Cover Rock Band wie „inBetween“ oder „New Standard“ mitten unter das  „junge Gemüse“ im proppenvollen Abdera geraten. Kaum ein Jugendlicher hätte sich mit seiner Clique in den Sonderveranstaltungsraum im Dachgeschoss des in dieser Nacht quietschlebendigen Museums zu den reiferen Fans von „Second Hand“ verirrt oder dort gar das Tanzbein geschwungen, und das illustre Publikum, welches in urgemütlicher Hotelbaratmosphäre im Kapuzinerhof relaxt dem gediegenen Zigeunerswing von „Mystery Hot Club“ lauschte und dabei gehobene Konversation pflegte, hätte nicht ohne weiteres Jackett und Krawatte abgelegt und zum leidenschaftlich groovenden Latin Jazz von Joe Fesseles
„Timba Sol“ in der rappelvollen Theaterkneipe „Applaus“ heftig schwitzend einen heißen Salsa aufs Parkett gelegt. 

 

Genau dies geschah aber in dieser freudenvollen Nacht an vielen Plätzen in der Stadt, Gegensätze schlossen sich nicht aus sondern wurden wie selbstverständlich toleriert und eingebunden in ein fröhlich-geselliges Gemeinschaftsgefühl. Offenheit dem Andersartigen gegenüber, die Bereitschaft sich auf neues Terrain zu begeben, Grenzen zu überwinden sind aber hoffnungsvolle Zeichen moderner aufgeklärter Urbanität und Humanität. Musik als internationales und interkulturelles
Interaktionsmedium machte einmal mehr ein großes Fest der Verständigung möglich. Solche Nächte sollte es öfter geben.
 
Dr. Helmut Schönecker

 

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