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13.
Oktober 2006 im Jazzkeller Biberach

Gut
aufgelegtes "Andrea Mayer
Quartett"
im
Biberacher Jazzkeller
Ella
Fitzgerald in prickelnder Lebendigkeit
statt kalter Plastination
Wer
ist Andrea Mayer? Das nette Mädchen von
nebenan? Eine Allerweltssängerin,
passend zu einem Allerweltsnamen? Schon
die ersten Töne ihrer warmen, volltönenden
Stimme ließen keinen Zweifel daran
aufkommen, hier stand die Reinkarnation
von Ella Fitzgerald auf der Bühne! In
sonorer, klarer Altlage aber auch bis in
die höchsten Höhen ihres unglaublichen
Stimmumfanges mit charakteristischem natürlichen
Timbre und typischem Kehlkopfvibrato, in
ihrem unbestechlichen Timing und dem
vorzüglichen Scat-Gesang der wohl größten
Jazzsängerin aller Zeiten kaum
nachstehend, stellte die sympathische
Ausnahmesängerin einem begeisterten
Biberacher Publikum ihre Anfang des
Jahres auf CD gebrannte Hommage an die
Queen of Jazz vor. Und wie ihr großes
Vorbild mit den renommiertesten
Formationen ihrer Zeit, dem Oscar
Peterson Trio oder der Count Basie Band
tourte, so kam auch die in Freiburg
lebende Jazzdiva mit einem illustren
Trio nach Biberach.
Einer der besten jungen Jazzpianisten
Europas, der gebürtige Ravensburger
Rainer Böhm, sowie die beiden
arrivierten und viel gefragten
Begleitmusiker German Klaiber am
Kontrabass und der in Biberach
wohlbekannte Matthias Daneck am
Schlagzeug unterstützten die unlängst
auch vom Südwestfernsehen portraitierte
Sängerin. Neben Ella Fitzgerald vor
allem den längst zu beliebten Standards
geadelten Kompositionen Duke Ellingtons
verpflichtet, mit starkem Hang zum Blues
und zur Ballade, zeigte sich das
Quartett hoch motiviert und in bester
Spiellaune.
Der Gefahr im Gedenken an die ganz Großen
bloßen Retro-Jazz abzuliefern, entging
die Truppe durch ironische Brechungen
und durch manchen musikalischen Witz der
Hintermannschaft. Neckische Spielereien
untereinander, vor allem zwischen Daneck
und Böhm lockerten die Stücke nicht
nur auf sondern verliehen ihnen Geist
und Seele. Auch wenn in diesem teils
recht übermütigen Spiel das eine oder
andere musikalische Angebot zur
Zusammenarbeit unter die Räder kam, so
etwa in Andrea Mayers vergeblichem
Versuch zu einem musikalischen Dialog
zwischen ihren Scat-Motiven und Böhms
wilden Klavierarabesken in Billy
Strayhorns „Take the A-Train“ zu
kommen, ergab sich unter dem Strich eine
prickelnde Lebendigkeit und eine
durchaus konstruktive Auseinandersetzung
mit dem musikalischen Material auf höchstem
künstlerischen Niveau. Der Eindruck,
dass hier dem Altbewährten Respekt
gezollt, gleichzeitig aber auch keine
falsche Ehrfurcht oder gar der Wille zur
Konservierung zu erkennen war, hob die
Musik des Quartetts in wohltuender Weise
von vielen traditionell geprägten
Nostalgikern ab. Hier gab es keine
Plastination á la Gunther von Hagen zu
erleben, der mit den Mitteln modernster
Technik den fast lebensechten Organismus
für die Ewigkeit präparierte; es gab
keine auf Hochglanz polierte, zombiemäßig
untote Remakes in inhalts- und
ausdrucksleeren ästhetischen Klarsichthüllen
zu hören. Hier wurde aus dem Geist des
Alten etwas Neues erschaffen, etwas
originär Eigenständiges aus dem immer
wieder die perlenden Klavierkaskaden Böhms,
die sich in Permanenz wandelnden,
stimulierenden Drum-Grooves von Daneck
oder die in sinnlicher Klanglichkeit
schwelgenden Bassimprovisation Klaibers
hervorleuchteten um mit dem tief
empfundenen, inspirierten Bluesgesang
Andrea Mayers in Wechselwirkung zu
treten. Zwei gerne gewährte Zugaben
beendeten einen langen, kurzweiligen
Jazzabend.
Dr. Helmut Schönecker
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