Foto
Schönecker
Deutsch-englisches
Jazzprojekt im Biberacher Jazzkeller
Sam
Maitland verbreitet viel Spaß mit "Miles & More"
BIBERACH
- Im Rahmen der englischen Woche haben
Jazzclub und Kulturamt Biberach einen
deutsch-englischen Konzertabend
organisiert. „Miles & More",
eine Biberacher Formation um den Bad
Waldseer Saxophonisten Michael Dümmler
und dem seit einigen Monaten in Biberach
weilenden englischen Profimusiker Sam
Maitland, bereits bestens bekannt durch
seine jüngste CD-Produktion „Ich bin
ein Biberacher", hielten das
zahlreich erschienene Publikum im
Jazzkeller bei bester Laune.
Sympathisch
moderiert durch Sam Maitland, der mit
seiner samtweichen, dabei aber sehr
modulationsfähigen und ausdrucksstarken
Stimme vom ersten Moment an die Herzen
der Zuhörer erreichte, erklangen
überwiegend Eigenarrangements bekannter
Jazzstandards. Ohne Berührungsängste,
auch nicht vor sehr bekannten Titeln,
aber auch völlig ohne falsches Pathos
kamen die Stücke mit großer
Selbstverständlichkeit zum Publikum
rüber. Mitunter stand das
Gefühlsbarometer auf „Hotelbar nach
Mitternacht", gelegentlich war auch
der unverstellte Zugriff einer
engagierten Schülerband zu spüren,
meist aber stand die künstlerisch
ambitionierte Auseinandersetzung mit dem
jeweiligen Sujet im Vordergrund. Hier
haben sich offenkundig fünf
Jazzliebhaber gefunden, von denen im
Biberacher Raum künftig wohl noch
häufiger die Rede sein wird.
Michael
Dümmler an Es-Alt und Sopransaxophon
konnte mit seinem stilsicheren Timing,
frischen Improvisationen und expressivem
Sound überzeugen. Piano, Kontrabass und
Schlagzeug agierten flexibel und
banddienlich mit einem Groove, der
intensive Probearbeit im Vorfeld und
gemeinsame Wellenlänge ebenso verriet
wie den offenkundigen Spaß an der
Sache. Besonders vom Pianisten kamen
dabei aber auch ungewohnte Licks und
Patterns zum Einsatz, die erfrischend
anders wirkten und trotz stilistischer
Mainstream-Ausrichtung auf durchaus neue
Wege zum Altbewährten verwiesen.
Ungeachtet des hohen
Bekanntheitsgrades von Titeln, wie „Take
Five, Satin Doll, Autumn Leaves, Misty
oder auch Night & Day", ja
selbst vor Stings „Englishman in New
York" hatte man keinen Respekt, kam
durch den bandspezifischen Zugriff
keinesfalls Langeweile auf. Zwei
begeistert herbei geklatschte Zugaben
lieferten den Beweis und rundeten einen
entspannten, unterhaltsamen Abend ab.
Helmut
Schönecker