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11.
November 2006 im Jazzkeller Biberach

Foto
Schönecker
M.u.T.
im Biberacher Jazzkeller
Boccherini
total vokal auf der Luftvioline
Nach eher besinnlichen Anfängen und
durchaus ernsthaften musikalischen
Bemerkungen in Sachen Liebe, darunter
diverse Glanzlichter aus der Ära der
„Comedian Harmonists“, etwa den
immer frischen Evergreen von der schönen
„Isabella aus Kastilien“, geriet
gleich der erste Titel der zweiten
Halbzeit im Konzert des Jazzclubs zu
einer regelrechten „Luftnummer“.
Boccherinis bekanntes Menuett
erklang durch „M.u.T.“ – „Männer
und Tenöre“ quasi instrumental. Die
Instrumente waren jedoch nur
„virtuell“ vorhanden, eben als
„Luftvioline“ oder „Luftquerflöte“.
„Gespielt“ wurden diese aber nicht
etwa nur im Playback, wie die viel
zitierte Luftgitarre. Sie erklangen real
vokal, mit treffend persiflierter Mimik
und Gestik, konterkariert durch ein
todernstes Mienenspiel und Nonsens-
Vokalisen á la „Diddl-daddl“ und
„Dum-di-dum“. Die „Luftnummer“
wurde so unversehens zu einer
regelrechten „Lachnummer“ und zum
guten Omen für den zweiten Teil, der
sich ganz der
Komik und dem Klamauk verschrieben
hatte.
Mit stimmiger Choreographie und sparsam
aber charakteristisch eingesetzten
Requisiten und Accessoires wussten die
„richtigen Männer“ (= Baritone und
Bässe) Ralph Kolars, Markus Stürzenhofecker,
Klaus Hinrichs und die beiden Tenöre
Thomas Mentzel und Peter Schmidt ebenso
zu begeistern, wie mit ihren
raffinierten, gut einstudierten
Arrangements. Ob in bayrisch-älplerischer
Staffage oder mit Matrosenkäppi und
Kapitänsmütze, ob vollständig a
cappella, mit echtem Kontrabass, kleiner
Trommel, Tamburin und Gitarre oder mit
der klassischen Klavierbegleitung
(Alexander Matt), die Hauptsache bildete
immer ein nahezu perfekter, sonorer
Satzgesang. Vom satten Bass bis zum
schlanken Falsett-Tenor mischten sich höchst
individuelle Stimmen zu
einem homogenen Ganzen, aus dem sie aber
zur Darstellung besonderer Affekte immer
wieder effektvoll hervortreten durften.
Auf diese Weise entstanden ebenso dichte
wie abwechslungsreich interpretierte
musikalische Preziosen von großer
Kunstfertigkeit. Das Publikum zeigte
sich hell begeistert und erklatschte
gleich drei Zugaben, darunter der schon
den ganzen Abend als
Requisite auf der Bühne präsente
„kleine grüne Kaktus“ und eine als
weinerlicher Abschiedsgesang beginnende,
dann aber gewohnt mitreißende,
fingerschnippende „Barbara Ann“.
Dr. Helmut Schönecker
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