Und
der Kaktus sticht, sticht,
sticht
"Männer und
Tenöre" geben großartiges
Debüt im Atrium in
Friedrichshafen – Publikum
hingerissen
Nichts
geht mehr am Samstagabend im
Atrium. Diejenigen, die noch
hinein wollen, müssen nach
Hause geschickt werden: Das
Theater ist längst
ausverkauft. Einen solchen
Ansturm hätten MUT (Männer
und Tenöre) an ihrem ersten
Konzert nicht erwartet.
Lieder der Comedian
Harmonists, die unter
anderem im Programm sind und
die sie sich zum Vorbild
genommen haben, sind
offenbar immer noch ein
Publikumsmagnet.
Es
ist auch die
Original-Besetzung der
unvergesslichen Sänger, in
der sie auftreten und die
den so typischen Gesang von
damals wieder zum Leben
erweckt. Drei Tenöre:
Thomas Menzl, Peter Schmidt
(auch Schlagzeug), Markus Stürzenäcker
sowie zwei Bässe:
Alexander Matt (auch Klavier
und Kontrabass), Klaus
Hinrichs und ein Bariton:
Ralf Kolars.
Feierlich
ist ihnen zumute in ihren
neuen Fräcken. Dem Rahmen
angemessen erklingen
deshalb zu Beginn die ersten
Takte aus dem "Te Deum"
von M.A. Charpentier, besser
bekannt als
Eurovisionsmelodie. In
"Audi victoria"
von den Prinzen, eine Persiflage
auf die Pflanzen- und
Damenwelt, zeigen sie, dass
sie neben schönem Gesang
auch humorvolle Unterhaltung
bieten wollen. Eine kleine
Choreografie oder
entsprechende Mimik und
Gestik streichen die spaßigen
Texte noch heraus. Witzig
und charmant stimmt Ralf
Kolars das Publikum auf die
jeweiligen Lieder ein.
Abwechslungsreich
ist ihr Repertoire: Mit viel
Pathos gesungene Liebeslieder,
sanfte Frühlingsweisen, ein
jazziges Arrangement, als
Madrigal aufbereitet und
dennoch rhythmisch "Can't
buy me love" von den
Beatles.
Und
immer wieder die Comedian
Harmonists mit ihren
umwerfend komischen
Liedtexten: "Veronika,
der Lenz ist da",
"Isabella aus
Kastilien", und nicht
zu vergessen der legendäre
"kleine, grüne
Kaktus". Einige Stücke
werden auf dem Klavier
begleitet, auch ein
Kontrabass und ein kleines
Schlagzeug kommen zum
Einsatz, ausgewogen und
homogen klingt ihr
A-cappella-Gesang. Nicht nur
das Publikum hat seinen Spaß,
auch die Sänger haben ihr
Vergnügen daran und je später
der Abend, desto komischer
werden die Darbietungen,
immer mehr gehen MUT aus
sich heraus.
In
einem russischen Stück,
Arme verschränkt wie zum Kasatschok, werden die Balaleika-Klänge zur großen
Belustigung mit der Zunge
imitiert. Nach dem
geschmetterten
"Hey" am Schluss
bricht tosender Applaus über
sie herein. Ebenso stürmischen
Applaus bekommen sie für
"Die Bar zum
Krokodil". Immer mehr
reißen die Sänger ihre Zuhörer
mit, die kaum noch zu halten
sind.
Zu
schnell geht der Abend vorüber.
Beim abschließenden "Creole
Love Call" verwandeln
sich die sechs Sänger in
Trompeten. Von volltönend
über heiser bis quäkend
werden alle Facetten der
Trompetenklänge ausgelotet.
Die Zuhörer sind
hingerissen, Zugabe um
Zugabe erklatschen sie sich,
man will MUT einfach nicht
gehen lassen. Mit ihrem
Programm "MUT zur
Perfektion" haben sie
ein Debüt gegeben, das man
so schnell nicht vergessen
wird.
"Sensationell" heißt
es aus dem Publikum. Dem ist
nichts hinzuzufügen.
Elfi Braschel
Südkurier
27.11.2003
"Männer und Tenöre"
im
Atrium
Pinguine
auf einem glatten Eisberg
Von
unserer Mitarbeiterin
Christel Voith
FRIEDRICHSHAFEN
- Förmlich
überrannt wurde das Theater
Atrium im Kulturhaus Caserne
beim ersten öffentlichen
Konzert der
A-cappella-Gruppe "Männer
und Tenöre", nicht
wenige Besucher mussten
abgewiesen werden.
Auch
wenn der gerne spöttisch
gebrauchte Ausdruck "Männer
und Tenöre" das
Gegenteil behauptet: Es sind
sechs gestandene Männer,
die auf der Bühne stehen. Sie stammen aus Friedrichshafen und
Umgebung, sind im Zivilberuf
Lehrer, Richter und
Pathologe und haben zum
Singen – ganz besonders
der Lieder der legendären
Comedian Harmonists –
zusammengefunden. Wie im Atrium zu
hören und sehen war, haben
sie daran auch eine
ansteckende Freude: Sie
singen gut, ja
ausgezeichnet, auch wenn sie
im Flyer
der Caserne
bescheiden meinen, dass sie
ihren Ikonen zwar
nacheifern, aber nicht den
Anspruch auf deren
Perfektion oder Erfolg
erheben.
Augenzwinkernd
begrüßen Alexander Matt,
Thomas Mentzel, Peter
Schmid, Ralf Kolars, Markus
Stürzenhofäcker und Klaus
Hinrichs ihr "hoch
geehrtes Publikum",
lassen sich bestaunen in
ihren schmucken schwarzen Fräcken,
"wie Pinguine auf
glattem Eisberg", die
sich auch mal
"tollpatschige
Ausrutscher" leisten dürfen.
Mit
der bekannten
Eurovisionsmelodie aus Marc
Antoine Charpentiers
"Te Deum" geht es
los, mit dem nur von weitem
feierlichen, in Wirklichkeit
frech despektierlichen
"Audi victoria"
der "Prinzen"
geht's weiter:
"Cannabis hasta la vista
– Schumi, Schumi
karambolagi..." Schlag
auf Schlag folgen die
Lieder, ob "Eine kleine
Frühlingsweise" oder
die "schöne Isabella
aus Kastilien", vergnügt
und nahe am Originalton,
erfreulicherweise ohne
elektronische Verstärkung a
cappella gesungen, sparsam
musikalisch begleitet, wenn
Alexander Mattans Klavier
"verbannt wird"
oder einer das Tamburin schlägt,
den Kontrabass spielt. Und
dazwischen die humorigen
Ansagen von Ralf Kolars, der
mit Witz als Conferencier
durchs Programm führt und
uns weismachen möchte, dass
die Beatles einen Song von
einem 400 Jahre alten
Madrigal abgekupfert hätten,
"I don't care too much
for money, falalala..."
Das Publikum im
ausverkauften Atrium ließ
sich rasch mitreißen. Auch
wer nur einen Stehplatz
ergattert hatte, ging
begeistert mit – auf ein
Wiedersehen beziehungsweise
Wiederhören möchte man
sich schon heute freuen.
SZ
Friedrichshafen 25.11.2003
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