Jazzclub Biberach e.V.

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Samstag, 09. Oktober 2005 um 20:30 Uhr

im Jazzkeller in der Bruno-Frey-Musikschule

M.u.T.  Männer und Tenöre

A-cappella-Sextett

 

Und der Kaktus sticht, sticht, sticht

 

"Männer und Tenöre" geben großartiges Debüt im Atrium in Friedrichshafen – Publikum hingerissen

 

Nichts geht mehr am Samstagabend im Atrium. Diejenigen, die noch hinein wollen, müssen nach Hause geschickt werden: Das Theater ist längst ausverkauft. Einen solchen Ansturm hätten MUT (Männer und Tenöre) an ihrem ersten Konzert nicht erwartet. Lieder der Comedian Harmonists, die unter anderem im Programm sind und die sie sich zum Vorbild genom­men haben, sind offenbar immer noch ein Publikumsmagnet.

Es ist auch die Original-Besetzung der unvergesslichen Sänger, in der sie auftreten und die den so typischen Gesang von damals wieder zum Leben erweckt. Drei Tenöre: Thomas Menzl, Peter Schmidt (auch Schlagzeug), Markus Stürzenäcker sowie zwei Bäs­se: Alexander Matt (auch Klavier und Kontrabass), Klaus Hinrichs und ein Bariton: Ralf Kolars.

Feierlich ist ihnen zumute in ihren neuen Fräcken. Dem Rahmen ange­messen erklingen deshalb zu Beginn die ersten Takte aus dem "Te Deum" von M.A. Charpentier, besser bekannt als Eurovisionsmelodie. In "Audi victoria" von den Prinzen, eine Persi­flage auf die Pflanzen- und Damenwelt, zeigen sie, dass sie neben schö­nem Gesang auch humorvolle Unterhaltung bieten wollen. Eine kleine Choreografie oder entsprechende Mi­mik und Gestik streichen die spaßigen Texte noch heraus. Witzig und char­mant stimmt Ralf Kolars das Publikum auf die jeweiligen Lieder ein.

Abwechslungsreich ist ihr Repertoire: Mit viel Pathos gesungene Liebeslieder, sanfte Frühlingsweisen, ein jazziges Arrangement, als Madrigal aufbereitet und dennoch rhythmisch "Can't buy me love" von den Beatles.

Und immer wieder die Comedian Harmonists mit ihren umwerfend ko­mischen Liedtexten: "Veronika, der Lenz ist da", "Isabella aus Kastilien", und nicht zu vergessen der legendäre "kleine, grüne Kaktus". Einige Stücke werden auf dem Klavier begleitet, auch ein Kontrabass und ein kleines Schlagzeug kommen zum Einsatz, ausgewogen und homogen klingt ihr A-cappella-Gesang. Nicht nur das Publikum hat seinen Spaß, auch die Sänger haben ihr Vergnügen daran und je später der Abend, desto komischer werden die Darbietungen, immer mehr gehen MUT aus sich heraus.

In einem russischen Stück, Arme verschränkt wie zum Kasatschok, wer­den die Balaleika-Klänge zur großen Belustigung mit der Zunge imitiert. Nach dem geschmetterten "Hey" am Schluss bricht tosender Applaus über sie herein. Ebenso stürmischen Ap­plaus bekommen sie für "Die Bar zum Krokodil". Immer mehr reißen die Sänger ihre Zuhörer mit, die kaum noch zu halten sind.

Zu schnell geht der Abend vorüber. Beim abschließenden "Creole Love Call" verwandeln sich die sechs Sänger in Trompeten. Von volltönend über heiser bis quäkend werden alle Facetten der Trompetenklänge ausgelotet. Die Zuhörer sind hingerissen, Zugabe um Zugabe erklatschen sie sich, man will MUT einfach nicht gehen lassen. Mit ihrem Programm "MUT zur Perfektion" haben sie ein Debüt gegeben, das man so schnell nicht vergessen wird. "Sensationell" heißt es aus dem Publikum. Dem ist nichts hinzuzufügen.

Elfi Braschel

Südkurier 27.11.2003

 

"Männer und Tenöre" im Atrium

Pinguine auf einem glatten Eisberg

Von unserer Mitarbeiterin Christel Voith

 

FRIEDRICHSHAFEN - Förmlich überrannt wurde das Theater Atrium im Kulturhaus Caserne beim ersten öffentlichen Konzert der A-cappella-Gruppe "Männer und Tenöre", nicht wenige Besucher mussten abgewiesen werden.

 

Auch wenn der gerne spöttisch gebrauchte Ausdruck "Männer und Tenöre" das Gegenteil behauptet: Es sind sechs gestandene Männer, die auf der Bühne stehen. Sie stammen aus Friedrichshafen und Umgebung, sind im Zivilberuf Lehrer, Richter und Pathologe und haben zum Singen – ganz besonders der Lieder der legendären Comedian Harmonists – zusammengefunden. Wie im Atrium zu hören und sehen war, haben sie daran auch eine ansteckende Freude: Sie singen gut, ja ausgezeichnet, auch wenn sie im Flyer der Caserne bescheiden meinen, dass sie ihren Ikonen zwar nacheifern, aber nicht den Anspruch auf deren Perfektion oder Erfolg erheben.

Augenzwinkernd begrüßen Alexander Matt, Thomas Mentzel, Peter Schmid, Ralf Kolars, Markus Stürzenhofäcker und Klaus Hinrichs ihr "hoch geehrtes Publikum", lassen sich bestaunen in ihren schmucken schwarzen Fräcken, "wie Pinguine auf glattem Eisberg", die sich auch mal "tollpatschige Ausrutscher" leisten dürfen.

Mit der bekannten Eurovisionsmelodie aus Marc Antoine Charpentiers "Te Deum" geht es los, mit dem nur von weitem feierlichen, in Wirklichkeit frech despektierlichen "Audi victoria" der "Prinzen" geht's weiter: "Cannabis hasta la vista – Schumi, Schumi karambolagi..." Schlag auf Schlag folgen die Lieder, ob "Eine kleine Frühlingsweise" oder die "schöne Isabella aus Kastilien", vergnügt und nahe am Originalton, erfreulicherweise ohne elektronische Verstärkung a cappella gesungen, sparsam musikalisch begleitet, wenn Alexander Mattans Klavier "verbannt wird" oder einer das Tamburin schlägt, den Kontrabass spielt. Und dazwischen die humorigen Ansagen von Ralf Kolars, der mit Witz als Conferencier durchs Programm führt und uns weismachen möchte, dass die Beatles einen Song von einem 400 Jahre alten Madrigal abgekupfert hätten, "I don't care too much for money, falalala..." Das Publikum im ausverkauften Atrium ließ sich rasch mitreißen. Auch wer nur einen Stehplatz ergattert hatte, ging begeistert mit – auf ein Wiedersehen beziehungsweise Wiederhören möchte man sich schon heute freuen.

SZ Friedrichshafen 25.11.2003

Eintritt 9€ / 6€ 

Kritik

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