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Foto
Schönecker
Lousiana
Funky Butts heizen im Jazzkeller kräftig
ein
Jazzbiber
mit Brachialgewalt wachgerüttelt
Acht
musikalische Energiebündel aus dem schwäbischen
Unterland haben am Freitagabend im
Jazzkeller das zunächst mit der
gewohnten Zurückhaltung eher brav
agierende Biberacher Publikum von anfänglicher
Verblüffung über schmunzelnde
Zustimmung schließlich zu wahren
Begeisterungsstürmen getrieben. Die
"Louisiana Funky Butts" haben
mit ihrem progressiven Bandkonzept in
Biberach offene Türen eingerannt.
"Das hat hier gerade noch
gefehlt", so einer der jüngeren
Konzertbesucher.
Kam das überraschend stark vertretene
jugendliche Publikum wohl vor allem
aufgrund von Schlagworten wie
"Modern Street Groove",
"Funk" und "HipHop"
in den stimmungsvoll angerichteten
Jazzkeller, so wussten auch die anderen
Gäste schnell, was Sache ist.
Unmittelbar, direkt, offen, ja brutal
und schonungslos kamen die Funky Butts
sofort zum Thema. Für ein Vorspiel, für
feinere Nuancen und differenzierte
Untertöne blieb keinerlei Raum. Mit der
Urgewalt einer 100köpfigen Guggenmusik,
dabei aber mit der Präzision einer
eingespielten Profi-Bigband,
messerscharfen Bläsersätzen, sattem
Bass vom leicht verstärkten Sousaphon,
treibendem Groove von den "Marching
Percussions" sowie rhythmischer
Hochspannung und Sprachwitz aus der Rap-
und HipHop-Ecke haben die Sieger des
deutschen Streetband-Wettbewerbes in
Leipzig um ihren "Commander Betman"
eine ziemlich scharfe Soße angerührt.
Die konsequente Marching Band-Besetzung
mit dem vollständigem Verzicht auf
Harmonieinstrumente wie Gitarre oder
Klavier aber eben auch auf ein
konventionelles Drumset, ließ den Sound
der Truppe nicht nur äußerst
transparent erscheinen sondern erhöhte
auch die Energiedichte und Präsenz der
Musik in geradezu unglaublicher Weise.
Die einzelnen Musiknummern, darunter
neben Funk und HipHop auch der eine oder
andere Salsatitel, etwa aus der Feder
des kubanischen Buona Vista Social Club,
sowie zahlreiche New
Orleans-Traditionals und
Eigenkompositionen, waren durchweg in
witzige, skurrile, ungewöhnliche
Arrangements eingekleidet. Die
sprachgewaltige Moderation und vor allem
der authentisch wirkende rhythmische
Sprechgesang des Bandleaders ragte dabei
hervor, selbst gegenüber den genialen
Soloimprovisationen, vor allem von Phil
"The Bone" Buck an der
Posaune, dem süditalienischen
Wahl-Stuttgarter Toni Riba am Saxophon
oder dem in den höchsten Tönen
herumjubelnden spanischen Trompeter Don
Flor. Die improvisierten "Battles"
zwischen Riba und Buck gehörten zu den
Höhepunkten des modernen musikalischen
Straßenkampfes und selbst das
originelle Outfit von Lady Doughdap, dem
einzigen weiblichen Bandmitglied,
ausgerechnet am urgewaltigen aber
gleichwohl souverän beherrschten
Baritionsaxophon, fügte sich nahtlos
ins musikalische Straßenbild.
Dr. Helmut Schönecker
Schwäbische
Zeitung, 12. November 2007
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