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Rund
200 Schülerinnen und Schüler der
Klassen 5 und 6 des
Wieland-Gymnasiums hatten am
Freitagvormittag in der Aula
Gelegenheit, im Rahmen der von der
Landesstiftung Baden- Württemberg,
der LBBW und dem Landes-
jazzverband geförderten
Projektreihe „Jazz für
Kinder“ auf Initiative des
Jazzclubs Biberach, ihren
musikalischen Standort neu zu
bestimmen. Für rund die Hälfte
der Kinder war dies nach eigenem
Bekunden das erste Live-Konzert überhaupt.
Der
Weltklasse-Vibraphonist und
Komponist Wolfgang Lackerschmid, pädagogisch
und künstlerisch befähigt durch
seine langjährige musikalische
Zusammenarbeit mit der
„Augsburger Puppenkiste“,
durch etliche Hörspiele für
Kinder und vor einigen Jahren gar
einem eigens für das
Wieland-Gymnasium komponierten
Schulmusical „Labyrinth“, nahm
die schwierige Aufgabe auf sich,
den „mp3-geprägten“ und
„bohlengeschädigten“ Kids
eine völlig fremde Welt näher zu
bringen.
Die
anfänglichen Erwartungen an das
ungewöhnliche Event hätten gar
nicht weiter auseinander liegen können.
Das zum Abschluss einer
klassenarbeitsreichen Woche eher
auf „Happening“ eingestellte
jugendliche Publikum war zwar
sofort dabei, klatsche mit und
staunte über das ohne große
Lautsprecherboxen und glitzernde
Showeffekte so ganz normal auf der
Bühne angetretene „Wolfgang
Lackerschmid Trio“. Neben dem
Komponisten war dessen Frau, die
gefragte Jazzsängerin Stefanie
Schlesinger und der brasilianische
Gitarrist Pedro Tagliani mit von
der Partie. Lackerschmids launige
Erklärungen über das, „was
denn Jazzmusiker so tun“, stießen
auch auf große Aufmerksamkeit.
„Jazzmusiker nehmen ein meist
bekanntes Musikstück, eine eingängige
Melodie und lassen dann alles weg,
was ihnen daran nicht gefällt“,
kolportierte Lackerschmid und trat
gleich darauf mit „Leise
rieselt der Schnee“
den
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musikalischen Beweis in Form eines
wunderschönen, eingängigen Jazz
Waltz an. Erkältungsbedingt mit
etwas „rauchiger“ Stimme aber
dadurch umso jazztypischer
intonierte Stefanie Schlesinger
– in stilsicherem Timing keinen
Ton dahin setzend, wo er
notationstechnisch üblicherweise
steht - den melodischen Rahmen,
innerhalb dessen sich Lackerschmid
und Tagliani auf seiner 7-saitigen
Gitarre mit ihren virtuosen
Improvisationen um all das herum
drückten, „was ihnen nicht
daran gefiel“.
Mit
der Vertonung eines eher satirisch
gemeinten, etwas ketzerischen
Rilkegedichtes waren die 11- und
12-jährigen Schülerinnen und Schüler
dann aber wohl doch etwas überfordert.
Die komplexe und eher artifiziell
wirkende Musik des Stückes
brachte zu wenig Action und
Abwechslung um die Kids wirklich
zu fesseln. Es spricht für die
Professionalität Lackerschmids,
dass er danach sein Publikum
sofort aktiv ins musikalische
Geschehen einbezog, indem
er etwa einen auf die
beiden Saalhälften verteilten,
zeitversetzten Claves-Rhythmus als
Grundlage für seine
Improvisationen inszenierte. Als
besonders fruchtbar erwies sich
jedoch eine blueslastige
„Jamsession“, bei der – nach
einigem Zögern – ausgerechnet
eine der kleinsten Fünftklässlerinnen
den ersten Schritt ans Mikrofon
und vor das große Publikum wagte
um nach Vorgabe von Lackerschmid
und Schlesinger ein-
oder zweitaktige
Scat-Motive (à la „Minnie, The
Moocher“) im Wechsel mit dem
nachahmenden Publikum zu
improvisieren. Rauschender Beifall
und eine nicht enden wollende
Kette von „Nachahmungstätern“
ließen die Veranstaltung, die am
Abend im Jazzkeller noch ein
konzertantes Nachspiel für die
interessierten Eltern finden
sollte - kurzweilig zu Ende gehen.
Dr.
Helmut Schönecker
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