Jazzclub Biberach e.V.

r Jazzband

 

Cornelius Claudio Kreusch: Solo Piano 

Freitag 10. Dezember 2010 um 20:00 Uhr in der Biberacher Stadthalle

Foto Schönecker

Jazzpianist der Superlative in der Biberacher Stadthalle

C.C. Kreusch in bester Spiellaune

BIBERACH - Vor ausverkauftem Haus im kleinen Saal der Stadthalle präsentierte sich im Rahmen der Abonnementkonzerte der in München und New York lebende Weltklasse-Pianist Cornelius Claudio Kreusch hochmotiviert einem andächtig und begeistert lauschenden Publikum. Nachdem er bereits im vergangenen Frühjahr den Vorsitz der Jury beim Biberacher Jazzpreis übernommen hatte, spielte er jetzt, 20 Jahre nach seinem eigenen Sieg in dem international ausgeschriebenen Jugend-Wettbewerb, erneut in Biberach. Zu einem großartigen Künstler gereift, faszinierte er über zwei Stunden lang seine Fans, die teilweise gar aus Berlin angereist waren. Ein Zuhörer aus Friedrichshafen brachte es auf den Punkt: „So viel Temperament bringt kaum ein anderer Jazzpianist der Gegenwart in die Tasten". Und in der Tat, CCK, der nach seinem kometenhaften Aufstieg bereits Mitte der 1990er gemeinsam mit Herbie Hancock das erste Internetkonzert gegeben und erst vor wenigen Tagen zusammen mit Klaus Doldinger („Das Boot", „Passport") in München zu hören war, gehört zu den besten und komplettesten Jazzpianisten unserer Tage.

Von filigran ziselierten Pianissimo-Motiven über plastisch modulierte, gewissermaßen atmende Themen und perlenden Prestissimo-Passagen zu wahrhaft titanischen Akkordschichtungen kolossaler Klanggebäude steht ihm eine immense Ausdruckspalette zur Verfügung. Das Ungewöhnlichste dabei ist aber die unnachahmliche Agilität seiner Leidenschaft. Eben noch völlig introvertiert in zarten Klangmalereien versunken explodiert er im nächsten Moment in dynamischen Eruptionen, die selbst einen ausgewachsenen Bösendorfer-Imperial-Flügel an den Rand seiner Leistungsfähigkeit bringen. Ein Instrument, das „im Laufe der Jahre sogar noch an Klangqualität zugenommen hat" (Zitat Kreusch) und welches den hochexpressiven Künstler nach seiner eigenen Aussage zusätzlich motiviert und zu Höchstleistungen angespornt hat. 

Kreuschs Kompositionen sind unverstellte persönliche Bekenntnisse. Wahlweise seinen drei Kindern oder intensiven persönlichen Erlebnissen gewidmet, wie etwa „Weihnachten in New York", „Folkloretänze in Neu-Guinea" oder „Impressionen aus Afrika" setzen sie in ihm jene Energien frei, die sein Spiel zu einem bedeutungsvollen kommunikativen Akt werden lassen. Hochspannung ist garantiert. Kurzweil vom ersten bis zum letzten Ton ebenso. Keines der Stücke ist ausschließlich einer einzigen Ausdruckshaltung gewidmet. Jedes Stück enthält einen ganzen Kosmos an Stilmitteln und Aussagen, und dennoch gelang es Kreusch, den Spannungsbogen bis zur dritten Zugabe zu halten und zu steigern.

Dr. Helmut Schönecker

 

Und so berichtet die Schwäbische Zeitung am 13.12.2010 über dasselbe Ereignis:

Jazz: Kreusch sitzt der Schalk im Nacken

Biberach - Er ist 42 Jahre alt und zählt zu den ganz Großen des Jazz: Cornelius Claudio Kreusch. In Biberach ist er kein Unbekannter, war er doch 1990 der erste Gewinner des Jazzpreises der Stadt. Es markiert das Jahr eins in seiner Vita, die sich wie eine Erfolgsgeschichte liest. Nun ist er an den Ort zurückgekehrt, an dem alles begann.

Große Bühnen sind heute seine Heimat. Umso mehr wirkt das Solo-Konzert im kleinen Saal der Biberacher Stadthalle wie ein Treffen mit alten Bekannten. Einer ist ihm in den vergangenen 20 Jahren besonders gut in Erinnerung geblieben: der Bösendorfer Flügel. Aus ihm holt er einen erdigen Sound heraus, der geradezu vor Energie und Emotion strotzt. Sanft und gefühlvoll, laut und dramatisch bearbeitet er die Klaviatur, schnürt zwei Lieder in ein neues Korsett und demonstriert so ganz nebenbei die hohe Kunst der Improvisation.

Geboren in München, bekommt er sein musikalisches Genie von seiner Mutter, einer Konzertpianistin, förmlich in die Wiege gelegt. Er absolviert eine Ausbildung zum Pianisten in Amerika, ist mit großen Jazzern auf Du und Du. Seit 1993 lebt und arbeitet er in New York nicht nur als Jazzpianist, sondern auch als Produzent und Chef einer Firma in der digitalen Musikbranche.

Bis heute spielte Cornelius Claudio Kreusch über ein Dutzend CDs ein, die mehrfach für den Musik-Oscar Grammy nominiert wurden. Wie seine jüngste CD namens Dolomites, von der er Stücke in Biberach präsentiert. Zudem wolle er einen Ausblick auf sein kommendes Album geben, sagt er. Die Hand an der Saite

Am Mikrofon ist Kreusch kein Mann der großen Worte, dafür besitzen seine Finger eine enorme Eloquenz. Unverkennbar dabei ist der Einfluss großer Meister, die er seziert und immer wieder neu arrangiert. Seine Stücke verkommen allerdings nie zu einem schnöden Plagiat.

Kreusch bewegt sich fern von Kitsch und Abklatsch, entwickelt lieber etwa melodiöse Linien, die jäh von einer Bassattacke unterbrochen werden. Und das immer in einer Weise, die einem das Gefühl vermittelt, alltagstauglichen Jazz zu hören, der bei Weitem nicht alltäglich ist. Etwa, als er mit der linken Hand auf die Saiten greift, sie dämpft und nur mit Klopfgeräuschen ausgefuchste Strukturen erzeugt, so als säße ihm der Schalk im Nacken.

Es sind Ausflüge in die Kreativität eines Mannes, dessen Spielfreude in zärtliche Balladen mündet, die er seinen Kindern widmet und nach ihnen benennt. Als wolle er das Aufwachsen nachempfinden, verpackt der erste Biberacher Jazzpreisgewinner Kreusch mit hohen und tiefen, lauten und leisen Passagen jenes Älterwerden in Noten. Diese so sanften Konturen einer Kindheit vermitteln den Zuhörern dann ein regelrecht unbekümmert-heiteres Gefühl und verbinden damit die Weichheit und Schönheit einer Ballade mit dem, was den Jazz an sich ausmacht: die Leichtigkeit.

(Der ahnungslose Berichterstatter kann auch nichts dafür, dass so etwas veröffentlicht wird.)

 

 

 

 

 

 

 

 

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