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Schönecker
Far
From Home – Beat
Kaestli
Mit
der Präzision eines Schweizer Uhrwerks
in den Sonnenaufgang
Nein,
eines hat er in den 18 Jahren, die er
nun schon in New York weilt, bestimmt
nicht verlernt. Die Präzision eines
Schweizer Uhrwerkes durchpulst die Musik
des Schweizer Ausnahmesängers Beat
Kaestli trotz der vielfältigen
stilistischen Einflüsse, die
mittlerweile seinen Personalstil
kennzeichnen. Gleich dreisprachig
(Deutsch, Englisch, Schwyzerdütsch)
führte Kaestli amüsant und kurzweilig
durchs Programm. Beim Konzert im
Biberacher Jazzkeller hat er trotz
seiner Hommage an das europäische Lied
mehr als nur einen Hauch der großen
weiten Welt unters Publikum gebracht.
Intonation und Timing waren perfekt, die
Arrangements ausgefeilt, bestens
einstudiert und auch von seinem gut
aufgestellten Begleittrio absolut
professionell interpretiert und
aufgeführt. Vor allem der Pianist und
Wahl-New Yorker Tino Derado glänzte
dabei mit vielseitigen, brillanten
Improvisationen.
Offenbar
hat den eloquenten Schweizer Monolithen
auch das amerikanische Tagesgeschäft,
das ihn zur musikalischen Umrahmung von
Einweihungsfeierlichkeiten im
Guggenheim-Museum oder anderen
herausragenden gesellschaftlichen Events
führt, noch nicht so weit
abgeschliffen, dass er – zumal auf der
Jazzspielwiese Europas – nicht auch
eigene, ja sogar bisher
unveröffentlichte Einblicke in sein
künstlerisches Schaffen geben würde.
Das Biberacher Publikum war ihm dankbar
dafür. Am meisten Spaß schien das
dafür auch reichlich mit Applaus
belohnte Quartett aber mit vielfach
variierten populären Standards, meist
aus der europäischen Songtradition zu
haben. Hier durfte es schon mal eine
spritzige Version von „Blackbird"
aus dem weißen Album der Beatles sein,
oder auch die xte Auflage des
Operettenschlagers „Softly, as in a
morning sunrise", vorgetragen mit
dem pomadigen Schmelz eines
argentinischen Tangosängers. Auch
stimmungsvolle französische Chansons
gewannen im amerikanischen Jazzidiom
eine neue Bedeutung.
Virtuos
schlüpfte Kaestli in immer neue Rollen
und blieb dabei immer gefällig,
unterhaltsam und doch er selbst.
Vielleicht, da oder dort, zumal für
eingefleischte Jazzfreaks, etwas zu
unterhaltsam und wenig risikofreudig.
Muss das Neue nicht manchmal auch
verstören und aufrütteln? Natürlich
wird sich, stromlinienförmig im
Mainstream treibende, auf Hochglanz
gebrachte Zweckmusik leichter ihren
Platz erobern als das verstörend
Unübliche, es gilt ja, im Geschäft zu
bleiben. Das beste Gericht wird jedoch,
wenn die richtige Würze fehlt, bei
aller Romantik als zu fade empfunden.
Dessen ungeachtet erklatschte sich das
begeisterte Publikum gleich zwei
Zugaben, die erste davon war dann auch
glücklicherweise nochmal richtig pikant
gewürzt und rückte das Bild auch für
den Berichterstatter wieder gerade.
Kaestlis weiterer Weg auf der Tournee
nach Mittel- und Südamerika wird sicher
ein großer Erfolg werden.
Dr.
Helmut Schönecker