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Zurückhaltende
Bescheidenheit und grelles
Rampenlicht scheinen so recht
nicht zusammenzupassen. Auch wenn
die Rampe im Jazzkeller nicht
allzu hoch und die Bühnenbeleuchtung
eher gedämpft war, das Konzert
mit den beiden bescheidenen Herren
auf der Bühne kam nicht glamourös
und extrovertiert daher und auch
das Publikum war nicht allzu
zahlreich erschienen. Ganz im
Stile ihrer musikalischen
Vorlagen, die fast ausschließlich
aus Charlie-Chaplin-Filmen
entnommen waren, auch ganz im Stil
des eher schüchternen
Gentleman-Tramps, dessen
musikalische Qualitäten hinter
seinen herausragenden Schauspiel-
und Regiefähigkeiten eher
unspektakulär erschienen, Manfred
Junker an den Gitarren und German
Klaiber am Kontrabass wählten
einmal mehr genau das ihrem
eigenen Musikstil gemäße Sujet.
Tief
empfundene Melodien mit einem
Schuss Melancholie und
Sentimentalität, erst einmal
ihrer verkitschten
Hollywood-Symphonik entkleidet,
gewannen durch Junker und Klaiber
eine subtile Plastizität und Präsenz,
fanden in unverstellter Direktheit
ihre Würde wieder. Durch die
beiden sensiblen Musiker fand
Chaplins Musik, ihrer filmischen
Funktion ledig, gewissermaßen zu
sich selbst. Die sorgsame
Freilegung des Ursprünglichen,
verbunden mit der dezenten
Verfremdung im Jazzidiom ließ
dabei wirklich Neues aus dem Geist
des Alten entstehen: im etwas
eigenwilligen aber überzeugenden
"Manfred Junker Stil". |
Filigran
und verspielt, in leichter, fast
spinnenmäßiger Behändigkeit und
dabei doch völlig unspektakulär,
gestalteten German Klaiber und
Manfred Junker ihre Soloparts und
Improvisationen in einer so
selbstverständlichen Virtuosität,
dass diese bereits wieder beiläufig
wirkte. Die Arrangements ließen
dabei musikalische Strukturen
anklingen, die zwischen
aphoristischer Prägnanz und
amorpher Unbestimmtheit sich
stilistisch nur schwer fassen ließen,
ja mitunter etwas Chamäleonhaftes
annahmen.
Neben
Titeln aus dem Film „König von
New York“ oder „Der große
Diktator“ waren es vor allem das
bekannte „Eternally“ aus
Chaplins „Im Rampenlicht“ oder
das legendäre „Smile“ aus
„Moderne Zeiten“, welche den
Weg ins Innerste der verzückten
Zuhörer fanden. Junker ist seinem
musikalischen Konzept über die
Jahre hinweg treu geblieben und
hat es weiter ausdifferenziert.
Die großen Melodiker unserer
Zeit, Cole Porter, Richard Rodgers
(herausragend interpretiert dessen
„Funny Valentine“ – zur
Einstimmung auf den Valentinstag)
und nun eben auch Charlie Chaplin
bilden Junkers roten Faden ins
Kerngehäuse der Musik. Das große
Publikum scheint ihm dennoch dahin
nicht folgen zu wollen, steht wohl
eher auf Lautes und Spektakuläres.
Die anwesenden Gäste fanden
jedoch mit Junker & Klaiber
ihren Frieden und gingen nach dem
Konzert entspannt in den
Schneesturm hinaus.
Dr.
Helmut Schönecker
Originaltext
für die Schwäbische
Zeitung |