Jazzclub Biberach e.V.

r Jazzband

 

2008

Die Preisträger sind gekürt

 

Die Jury des Biberacher Jazzpreises hatte bei der Vorauswahl der Kandidaten für das diesjährige Finale eine schwierige Aufgabe 

zu lösen. Über 50 Bewer- bungen aus mehreren Nationen bildeten das bisher vielfältigste und hochkarätigste Bewerber- feld in der Geschichte des Biberacher Jazzpreises. Dies ist auch der Grund, weshalb dieses Jahr fünf Gruppen ins Finale einzogen. 

Die Wahl fiel auf vier inländische Formationen und ein Trio aus den Niederlanden: Das Stuttgarter "Olivia Trummer Trio", das "Christian Pabst Trio" aus der niederländischen Hauptstadt Amsterdam, sowie die Quartette "Hornstrom" aus Köln, "Exchange" aus Mannheim und "Salsaría" aus Laupheim. Sie bewiesen ihr Können in 20-minütigen Live- Auftritten vor über 400 Zuhörern und der Jury bestehend aus Dieter Ilg, Dr. Frank Sikora, Dr. Raimund Kast, Dr. Helmut Schönecker und Musikdirektor Andreas Winter.

Eine Besonderheit des Biberacher Jazzpreises ist die Tatsache, dass die Rangfolge der Finalisten nicht allein durch die Jury (Juryvorsitz Dieter Ilg) bestimmt wird, sondern das Publikum mittels Stimmzetteln ein Mitspracherecht besitzt.

Die Preisverleihung durch Kultur- dezernent Dr. Hans-Peter Biege fand im Rahmen des anschließenden Gala- konzerts statt, bei dem keine Geringeren als die beiden Preisträger des Landes- jazzpreis Baden- Württemberg 2007 und 2008 Kristjan Randalu und Bodek Janke unter dem Namen "Grupa Janke Randalu" ihre neue CD "live" präsentierten.

Die Preisträger des Biberacher Jazzpreis 2008:

1.  Preis Hornstrom   Köln http://www.hornstrom.de/
2.  Preis Christian Pabst Trio   Amsterdam www.christianpabst.com
ex aequo Olivia Trummer Trio   Stuttgart http://www.olivia-trummer.de/
3. Preis Exchange Mannheim www.exchange-jazz.de
ex aequo Salsaría Laupheim http://www.salsaria.de

 

Hornstrom am 12. April 2008 im Biberacher Jazzkeller

 

Die Badekappenband aus Köln gewinnt den Biberacher Jazzpreis 2008

Laupheimer Band Salsaría hat beim Publikum die Nase vorn

Er gehört zu den renommiertesten Preisen für Nachwuchsjazzer hierzulande: der seit 1990 vergebene Biberacher Jazzpreis. Zur diesjährigen Endausscheidung am vergangenen Samstag in der Biberacher Stadthalle hatte die Jury erstmals fünf Bands eingeladen, und noch nie, da waren sich alle einig, war das Niveau so hoch wie bei der diesjährigen Auflage. Selten auch war die Jury so uneins wie diesmal. Doch letztlich konnte der Juryvorsitzende, der Freiburger Bassist Dieter Ilg, dem überaus zahlreich erschienen Publikum im Stadthallenfoyer zur späten Stunde einen klaren Sieger präsentieren: die Kölner Formation Hornstrom mit den beiden Posaunisten Max von Einem und Tobias Wember war nicht nur die musikalisch wagemutigste Formation. Sie war letztlich auch die, in der die Balance innerhalb der Band am besten stimmte. Und zudem hatten die vier Kölner, die während ihres Auftrittes alle Badekappen trugen, die besten Arrangements mit den originellsten Titeln zu bieten. Zu Recht durften sie am Ende aus der Hand von Kulturdezernent Dr. Hans-Peter Biege den Siegerscheck entgegen nehmen.

Doch dahinter wurde es knapp. Das Trio der Stuttgarter Pianistin Olivia Trummer, die in letzter Zeit ja schon mehrfach auf sich aufmerksam machte, glänzte mit ausgefeilten musikalischen Interaktionen und einem klassisch geschulten Klavierspiel abseits ausgetretener Pfade, das vom allzu dominanten Schlagzeug des aktuellen baden-württembergischen Landesjazz-Preisträgers Bodek Janke jedoch oftmals überdeckt wurde.

Atmosphärisch dichter, eine Spur jazziger, vielleicht aber auch konventioneller in den Arrangements: das

Trio des saarländischen Pianisten Christian Pabst, der freilich in seinen fein ausgeführten Melodielinien zu wenig Unterstützung von seinen Mitmusikern bekam. Kompositorisch spannend, mit einem überzeugenden Saxophonisten, aber dramatisch letztlich zu gleichförmig: die Mannheimer Band Exchange, die erst in ihrem letzten Stück, “Pearl Point“, so richtig zeigen konnte, was an Substanz in ihr steckt. Und nicht zuletzt das Laupheimer Quartett Salsaría, das mit dem glänzenden Lukas Brenner am Klavier und dem ausgefeilt aufspiel- enden Saxophonisten Alexander Bühl ein wenig Lokalkolorit in den Abend brachte. Sie alle lagen am Ende auf den Stimmzetteln der Juroren nahezu gleichauf. Nach langer Diskussion fand sich eine Lösung, die dem Gehörten am ehesten gerecht wurde: Die Trios von Olivia Trummer und Christian Pabst wurden auf Platz zwei gesetzt, Exchange und Salsaría wurde ein dritter Platz zuerkannt – letztere hatten übrigens, nicht zuletzt aufgrund des stimm- starken mitgereisten „Fanclubs“, bei der Publikums- abstimmung die Nase vorn. Immerhin war deutlich geworden, dass die vier jungen Laupheimer, die durchschnittlich sechs Jahre jünger sind als ihre Mitbewerber, gegenüber dem letzten Jazzpreis, als sie mit einer Wildcard ins Finale gerutscht waren, deutlich an Format gewonnen haben!

Rundum Zufriedenheit denn auch bei Publikum, Bands und Veranstalter, als der estnische Pianist und Biberacher Ex-Preisträger Kristjan Randalu zusammen mit Schlagzeuger Bodek Janke (der hier sehr viel freier und dynamischer agierte als im Zu- sammenspiel mit Olivia Trummer) mit seinem hoch- virtuosen, klassisch geschulten Spiel den Abend musikalisch dynamisch-entspannt ausklingen ließ.

 

Dr. Raimund Kast

Schwäbische Zeitung 14.04.2008

 

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