Marianos
Trio begeistert die
Biberacher
BIBERACH
- "Mumble Jumble"
heißen die Sieger des
Biberacher Jazzpreises. Die
Musikstudenten aus Köln,
Berlin und Amsterdam hatten
mit der reifsten Präsentation
und einem zeitgemäß
groovenden Sound die Jury
auf ihrer Seite. Von
Altmeister Charlie Mariano,
der mit seinem Trio zur
Preisvergabe spielte,
erhielten sie die
Siegerurkunde.
Von
unserem Mitarbeiter Raimund
Kast
Über
30 Bands aus Deutschland und
der Schweiz hatten sich um
den inzwischen zu den
wichtigsten Auszeichnungen für
junge Nachwuchsjazzer im
deutschsprachigen Raum zählenden
Preis beworben. Und wieder
einmal hatten Musiker aus
dem Talentschuppen von Peter
Herbolzheimer die Nase vorn
beim Biberacher Jazzpreis.
"Mumble Jumble"
stellte mit dem Pianisten
Sebastian Sternla, der auch
die raffiniert-eingängigen
Kompositionen der Band
beigesteuert hatte, auch
einen der reifsten Solisten
des Abends und lag am
Schluss eindeutig vorn -
zumindest in den Augen der
Jury. Denn das ist auch
schon Tradition in Biberach:
In der Publikumsgunst hatte
mit dem Münchner Quartett
"Etna" und seinen
eingängigen Soundcollagen
eine andere Band knapp die
Nase vorn. Die eigentliche
Überraschung war das mit
einer Wildcard als vierte
Band mit in die
Endausscheidung gerutschte
Quartett "Salsaria"
aus Laup-heim. "Für
ihr Alter
sensationell", urteilte
die Jury über die im
Durchschnitt 16 Jahre alte
Schülerband um den
talentierten Pianisten Lukas
Brenner.
Ein
Geschichtenerzähler
Bei
der Preisvergabe zusammen
mit Saxophon-Legende Charlie
Mariano auf der Bühne
stehen zu dürfen, war für
die Laupheimer sicherlich
der bisherige Höhepunkt
ihrer musikalischen
Laufbahn. Zuvor hatte er
82-jährige Mariano, der von
Dizzy Gillespie bis zum
United Jazz and Rock
Ensemble so ziemlich mit
allem gespielt hat, was im
Jazz Rang und Namen hat,
gezeigt, dass er nichts von
seinem großen Können
eingebüßt hat. Im
Gegenteil: sein Spiel
scheint immer besser und
weiser zu werden. Noch immer
überrascht er mit seinem
klaren, akzentuierten Ton,
der leicht und beweglich
daherkommt, von melodischer
Wärme geprägt ist.
Mariano, das wurde erneut
deutlich, ist ein
Geschichtenerzähler, einer
der die spröde Schönheit
seines Altsaxophons voll
auszukosten weiß. Sei es in
Eigenkompositionen wie
"Savannah Samurai"
oder in bewährten Standards
wie "Good Bye Pork Pie
Hat", ein Stück, das
in seiner traurig-stolzen
Stimmung Mariano auf den
Leib geschrieben scheint.
Mitgebracht
hatte Mariano zwei
exzellente Begleiter. Seit
über 15 Jahren ist der
Bassist Dieter Ilg fester
Partner von Mariano in den
diversen Duo- und
Trio-Projekten Marianos und
versteht sich blind mit dem
Altmeister. Der Freiburger
vermag es, jeden Ton seines
Instruments auszukosten, den
vollen runden Ton konsequent
auszuloten. Hinzu kommt eine
virtuose Fingerfertigkeit,
die ihn unter den zeitgenössischen
Jazzbassisten in Deutschland
nahezu einzigartig macht.
Als
dritter mit im Bunde: der in
Tokio geborene, seit vielen
Jahren in Köln lebende
Gitarrist Paul Shigihara.
Auch er einer, der wie
Mariano auf
unterschiedlichste
musikalische Einflüsse
verweisen kann, der zu einem
eigenen, unverwechselbaren
melodischen Sound und einer
souveränen spielerischen
Reife gefunden hat, bei der
die virtuose Technik nur
Mittel zum Zweck ist.
Bewundernswert vor allem,
wie er sich immer wieder mit
Dieter Ilg zu
spannungsreichen Dialogen
zusammenfand, wie sich die
kristallinen Strukturen
seines Gitarrenspiels mit
den warmen Basslinien Ilgs
immer wieder eng verzahnten
zu einem höchst
eindringlichen musikalischen
Ganzen.
Begeisterten
Beifall gab es vom Publikum,
und hätte nicht noch die
Preisübergabe des
Jazzpreises angestanden, wäre
es sicherlich nicht nur bei
einer Zugabe geblieben.
Schwäbische
Zeitung Biberach 03.04.2006
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