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BIBERACH - Pulsierender Beat spannender
Sound: Das Schweizer Quartett
„Help!" gewinnt den Biberacher Jazzpreis
2010. Dotiert ist er mit 2000 Euro
sowie einem Exklusivvertrag bei einem
weltweiten Musikvertrieb. Platz
zwei belegt das Leipziger Duo Stiehler/Lucaciu
(1000 Euro), auf Platz
drei kommt der Berliner Pianist Lorenz
Kellhuber.
Von unserem Mitarbeiter
Bernd
Guido Weber
40 Bands und Solisten
aus fünf Ländern haben sich beworben, die Jury hat drei ausgewählt. Cornelius Claudio Kreusch
hat in diesem Jahr den Vorsitz. Er ist Gewinner des ersten Biberacher Jazzpreises 1990, startete danach eine steile
Karriere. In der Jury sind auch Joo Kraus (Tab Two),
Dr. Helmut Schonecker (Jazzclubvorsitzender Biberach), Musikdirektor Andreas
Winter, Biberach, und Professor Frank
Sikora von der Swiss Jazz School Bern.
Die Zuhörer dürfen ebenfalls abstimmen.
Impressionistisch.
Expressiv. Romantisch. So kann man die Musik der drei Finalisten umschreiben. Den Anfang macht der Jüngste,
der 20-jährige Lorenz Kellhuber aus
Berlin. Er hat gleich nach der Realschule die Aufnahmeprüfung
zum Jazzstudium bestanden.
Mit einer freien Improvisation
beginnt er, ruhig, klar, attackierendes
Finale. Stück zwei ist „Never let me
go", ein Standard. Hingetupfte, gefühlvolle
Klänge, scharfe Betonungen. Der Bösendorfer
darf zeigen, was in ihm steckt. Viel Beifall.
Die nächsten dreißig
Minuten bestreiten „Help!". Kennen gelernt haben sie sich 2007 auf der Swiss Jazz
School
Bern. Die Studenten loten Grenzen aus.
Wunderbarerweise klingt das nie anstrengend,
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immer
spannend.
Jonathan Maag am Tenorsax beginnt.
Pulsierende, versetzte Rhythmen,
die eskalieren. Eine ruhige Phase
mit zerzupften Melodien. Dann verdichtet
zu neuen Sounds, bis das Sax strahlend
herauskommt. Eine eigene,
kraftvolle Sprache.
Völlig anders ist
das Duo Sascha Stiehler/Antonio Lucaciu aus Leipzig. Die beiden 22-Jährigen machen richtig schönen kammermusikalischen Jazz.
Labsal für romantische, empfindsame
Seelen. Das Altsax von Lucaciu
geht elegisch auf Stiehlers Klangmalereien
ein. Eine Liebeserklärung ans
Vogtland. Eine Hymne an „Opas Garten in Rumänien".
Eine Winterreise in drei Sätzen, wenn
auch nicht ganz passend zur bunten Blütenpracht
draußen vor der Stadthalle. Hätte
es einen Sonderpreis für die besten
Instrumentalisten gegeben – sie hätten
ihn verdient.
Vor der Preisverleihung spielt die Bigband St. Raphael aus Heidelberg,
geleitet von Peer Hübel, der am Wieland-Gymnasium sein Abitur gemacht hat. Die jungen Musikerinnen und Musiker, einer der Trompeter
ist erst zehn, sorgen für eine
faustdicke Überraschung. Voller Sound,
griffige Arrangements, dazu ein
modernes Repertoire. Amy Winehouse,
Pussycatdolls. Und Hits aus der Soulküche. Ein gutes
Stück zum Drive tragen die drei Sängerinnen bei, alle mit viel
Potenzial. Amelie Suermann bringt „Big Spender" von Shirley Bassey.
Großer Applaus für Bigband, Solisten,
Dirigenten. Zugabe.
Und dann gibt's Geld
und Lobesworte. Biberachs Kulturdezernent Dr. Jörg Riedlbauer freut sich, dass sich Jury und Publikum in der Bewertung so einig sind. C.C. Kreusch rät „Help!"
in einer etwas selbstgefälligen Laudatio, das
Ausrufezeichen im Namen wegzulassen. Und danach
den Namen ganz
zu ändern. Die Schweizer nehmen's
mit einem Lächeln. Gewinner.
Schwäbische Zeitung, 26. April 2010
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