Jazzclub Biberach e.V.
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2010

Samstag 24. April 2010.

 

Die Finalisten bei Biberacher Jazzpreis 2010

 

 

Duo Sascha Stiehler / Antonio Lucaciu (Leipzig)

Besetzung:

Antonio Lucaciu (02.07.1987) Saxofon
Sascha Stiehler (27.01.1988)
Piano

Genre: Eigene Musik

Sascha Stiehler und Antonio Lucaciu spielen ihre eigene Musik. Darin vertonen sie ihre Umgebung, ihre Erlebnisse, ihre Einflüsse. Sie improvisieren, komponieren – gemeinsam.
Auf ihrem musikalischen Weg werden sie unterstützt von Richie Beirach, Dave Liebman, Johannes Enders. 2009 gewannen sie den Leipziger Jazzpreis. Sie sind Künstler des Forum Tiberius.

http://www.myspace.com/duostiehlerlucaciu

http://duomusik.de/

 

Lorenz Kellhuber (Berlin)

Besetzung:

Lorenz Kellhuber (11.03.1990) – Klavier

Genre: Modern Jazz

Der Regensburger Pianist ist seit 2006 Student an der Berliner Hochschule der Künste: die ersten vier Semester bei Wolfgang Köhler, seit dem Wintersemester 2008/09 bei Hubert Nuss, einem Pianisten, der sowohl in der Welt des Modern Jazz zuhause ist, als auch in der von Olivier Messiaen. Lorenz Kellhuber wird sein Studium 2010 beenden. Doch seine Profikarriere hat längst begonnen...

http://www.myspace.com/lorenzkellhuber

http://www.jazzzeitung.de/jazz/2009/01/portrait-kellhuber.shtml

 

 

 

Jonathan Maag / Help! (Bern)

Besetzung:

Jonathan Maag (13.08.1986, Student) – Tenorsaxophon
Florian Favre (24.10.1986, Student) – Piano/Rhodes
Jeremias Keller (12.01.1986, Student) – E-Bass
Alexandre Maurer (25.09.1984, Student) – Drums

Genre: Programmatischer Modern Jazz

Die vier Musiker aus Bern improvisieren im minimalistischen Kollektiv. Man könnte es neuen programmatischen Jazz nennen, aber es ist mehr: eine Auseinandersetzung mit neuen Grooves und neuen Sounds, die Entwicklung von eigenständigen Themen.  

http://jonathanmaag.de/

 

Biberacher Jazzpreis für „Help!"

Vier junge Schweizer loten Grenzen aus

Ganz rechts die Siegerband

BIBERACH - Pulsierender Beat spannender Sound: Das Schweizer Quar­tett „Help!" gewinnt den Biberacher Jazzpreis 2010. Dotiert ist er mit 2000 Euro sowie einem Exklusivvertrag bei einem weltweiten Musikvertrieb. Platz zwei belegt das Leipziger Duo Stiehler/Lucaciu (1000 Euro), auf Platz drei kommt der Berliner Pianist Lorenz Kellhuber.

Von unserem Mitarbeiter Bernd Guido Weber

40 Bands und Solisten aus fünf Ländern haben sich beworben, die Jury hat drei ausgewählt. Cornelius Claudio Kreusch hat in diesem Jahr den Vorsitz. Er ist Gewinner des ersten Bi­beracher Jazzpreises 1990, startete danach eine steile Karriere. In der Jury sind auch Joo Kraus (Tab Two), Dr. Helmut Schonecker (Jazzclubvorsitzender Biberach), Musikdirektor Andreas Winter, Biberach, und Professor Frank Sikora von der Swiss Jazz School Bern. Die Zuhörer dürfen ebenfalls abstimmen.

Impressionistisch. Expressiv. Romantisch. So kann man die Musik der drei Finalisten umschreiben. Den Anfang macht der Jüngste, der 20-jährige Lorenz Kellhuber aus Berlin. Er hat gleich nach der Realschule die Aufnahmeprüfung zum Jazzstudium bestanden. Mit einer freien Improvisation beginnt er, ruhig, klar, attackierendes Finale. Stück zwei ist „Never let me go", ein Standard. Hingetupfte, gefühlvolle Klänge, scharfe Betonungen. Der Bösendorfer darf zeigen, was in ihm steckt. Viel Beifall.

Die nächsten dreißig Minuten bestreiten „Help!". Kennen gelernt haben sie sich 2007 auf der Swiss Jazz School Bern. Die Studenten loten Grenzen aus. Wunderbarerweise klingt das nie anstrengend,

immer spannend. Jonathan Maag am Tenorsax beginnt. Pulsierende, versetzte Rhythmen, die eskalieren. Eine ruhige Phase mit zerzupften Melodien. Dann verdichtet zu neuen Sounds, bis das Sax strahlend herauskommt. Eine eigene, kraftvolle Sprache.

Völlig anders ist das Duo Sascha Stiehler/Antonio Lucaciu aus Leipzig. Die beiden 22-Jährigen machen richtig schönen kammermusikalischen Jazz. Labsal für romantische, empfindsame Seelen. Das Altsax von Lucaciu geht elegisch auf Stiehlers Klangmalereien ein. Eine Liebeserklärung ans Vogtland. Eine Hymne an „Opas Garten in Rumänien". Eine Winterreise in drei Sätzen, wenn auch nicht ganz passend zur bunten Blütenpracht draußen vor der Stadthalle. Hätte es einen Sonderpreis für die besten Instrumentalisten gegeben – sie hätten ihn verdient.

Vor der Preisverleihung spielt die Bigband St. Raphael aus Heidelberg, geleitet von Peer Hübel, der am Wieland-Gymnasium sein Abitur gemacht hat. Die jungen Musikerinnen und Musiker, einer der Trompeter ist erst zehn, sorgen für eine faustdicke Überraschung. Voller Sound, griffige Arrangements, dazu ein modernes Repertoire. Amy Winehouse, Pussycatdolls. Und Hits aus der Soulküche. Ein gutes Stück zum Drive tragen die drei Sängerinnen bei, alle mit viel Potenzial. Amelie Suermann bringt „Big Spender" von Shirley Bassey. Großer Applaus für Bigband, Solisten, Dirigenten. Zugabe.

Und dann gibt's Geld und Lobesworte. Biberachs Kulturdezernent Dr. Jörg Riedlbauer freut sich, dass sich Jury und Publikum in der Bewertung so einig sind. C.C. Kreusch rät „Help!" in einer etwas selbstgefälligen Laudatio, das Ausrufezeichen im Namen wegzulassen. Und danach den Namen ganz zu ändern. Die Schweizer nehmen's mit einem Lächeln. Gewinner.

Schwäbische Zeitung, 26. April 2010

 

 

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