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Kritik
zum Konzert der Jazz Pistols im Jazzkeller am 30.
April 2004

Gutgelaunte
Jazz Pistols im Biberacher Jazzkeller
Psychedelischer
Fusion Jazz wie aus der Pistole geschossen
Schnörkellos, direkt und unmittelbar, geradeheraus
und ungeschützt, offen, ehrlich und dabei ziemlich
laut, das waren die dominierenden Eigenschaften der
Jazz Pistols aus dem Rhein-Neckar-Raum, die im gutgefüllten
Jazzkeller die letzte Aprilnacht verheizten und dabei
ihre aus weitem Rund angereiste Fangemeinde hell
begeisterten.
Kein geruhsamer Wochenausklang, kein seicht plätschernder
Unterhaltungs-Swing, kein vergeistigtes Flechtwerk
musikalischer Ornamentik oder anderweitiges Drumherum
waren angesagt. Stattdessen bauten die Jazz Pistols
eine schnelle Direktschaltung auf, zu jener Stelle
hinter dem Solarplexus an der gemeinhin das Zentrum
des Fühlens angesiedelt ist. Musik
für den Bauch, aus dem Bauch und offenkundig auch von
Herzen kommend. Völlig „straight“, mehr dem Funk
und Rock denn dem Jazz verpflichtet, höchst
leidenschaftlich und mit einer Überfülle von Eindrücken
aus einer gerade abgeschlossenen mehrwöchigen
Afrika-Tournee angereichert, fesselten die drei
Instrumentalvirtuosen ihr Publikum irgendwo zwischen
Zawinuls "Birdland", Chick Coreas
"Spain" und einigen Bela Fleck–Titeln mit
lebendig groovenden
Eigenkompositionen in oftmals psychedelisch anmutender
Klanglichkeit. Vor allem der mit einer nimmermüden
„Mannemer Gosch“ ausgestattete Thomas „Lui“
Ludwig durchglänzte mit seinen trollig-originellen
An- und Abmoderationen sowie seinen zupackenden
Drum-Grooves im Stile des frühen Phil Collins den
unkonventionellen Auftritt der Jazz Pistols.
Es gibt wenige gute Fusionbands in unseren Tagen, die
Jazz Pistols gehören aber unzweifelhaft zu den besten
Formationen dieses Genres. Ein offenes Herz für gute
Musik jeglicher Couleur und die überschäumende künstlerische
Ausdruckskraft und Energie um scheinbar so Widersprüchliches
wie Jazz und Rock zusammen zu zwingen machen das Trio
zu etwas ganz Besonderem. Gitarren-, Bass- und
Schlagzeug-Soli im Stil der großen Rockheroen sind für
die Jazz Pistols ebenso eine Selbstverständlichkeit
wie die perfekte Beherrschung eines
Hightech-Equipments der Premiumklasse. Schimmerten bei
Stefan „Ivan“ Schäfer (Fender und Ibanez-Gitarren)
Vorbilder wie Jimi Hendrix und Carlos Santana durch,
zeigte sich der ehemalige Berklee Stipendiat Christoph
Victor Kaiser (sechssaitiger Fodera-E-Bass) den
Basslegenden Jaco Pastorius und John Patitucci
verpflichtet. Die von Kaiser perfektionierte spezielle
Spielweise des „tapping“ erlaubte ihm auf seinem
Sechssaiter Basslinien mit Harmonien zu verbinden und
somit echt polyphon zu spielen, ohne dass der Sound
ins Mulmige abrutschte. Schäfer ließ in seinen
rasanten Improvisationen auf Gitarre und Effektgeräten
nicht nur die Herzen aller Gitarristen höher
schlagen. Erst nach zwei Zugaben ließ das völlig
"durchgroovte" Publikum die
temperamentvollen Jazz Pistols von der Bühne.
Dr. Helmut Schönecker
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