Jazzclub Biberach e.V.

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Konzertbericht zum 07.11.2003

 

Isolde Werner Band mit Karo Höfler im Biberacher Jazzkeller

Subtiles Kreisen ums Ich

 

 

Ego sum Isolde! Hätte eine solch plakative Selbsterkenntnis den Beginn des Konzertes am vergangenen Freitag im Jazzkeller markiert, wäre der Abend halb so interessant geworden. Als "local hero" gehört die in Bad Waldsee lebende Isolde Werner seit Jahren zum oberschwäbischen Jazz-Urgestein. Aber der Begriff Jazz greift für ihre Musik eigentlich zu kurz. Die rührige Isolde Werner ist in gewissem Sinne öffentlich auf der Suche nach ihrem persönlichen Stil. Und sie macht dabei nicht etwa erschrocken Halt vor Country, Rock und Blues oder Volksmusik. Und sie macht vor allem auch keinen Halt vor Konventionen, sie sucht furchtlos die klischeebeladenen Genres um sich scheinbar in ihr offenes Messer zu stürzen. Glücklicherweise ist ihr musikalischer Ansatz ein originärer Jazzansatz und so gestaltet sich die Suche nach einem Personalstil als subtiles Kreisen um ihr musikalische Ich.

 

Dass ihr Konzept am Freitagabend im Jazzkeller auf hochkarätige Mitstreiter traf, die kurzfristig eingesprungene, hochdekorierte Karo Höfler am Kontrabass veredelte das Ganze noch, ließ die musikalische Rechnung voll und ganz aufgehen. Anfängliche Spannungen lösten sich schnell auf und spätestens mit Beginn der psychedelisch geprägten Nummern des zweiten Sets war auch der gemeinsame Nenner gefunden. Melanies Nickelsong, gewissermaßen eine Jugendliebe von Isolde Werner, Songs von Neill Young und Bob Dylan  sowie der Einsatz einer Schlitztrommel, wie sie in der rhythmisch-musikalischen Früherziehung Verwendung findet, lösten alle Begrenzungen, ließen Werners musikalischen Weg sinnfällig werden: Hindurch, nicht drum herum. Der Stuttgarter Gitarrist Uwe Metzler erwies sich hierbei als erfrischender Aktivposten.

 

Konventionelle Titel, einprägsame Melodien, bekannte Harmoniefolgen, geläufige Rhythmen. Gefällige Tanz- und Unterhaltungsmusik hätte die Folge sein können. Aber Nein! Alle Beteiligten mobilisierten ein hohes Maß an Kreativität um eben gerade nicht auf die überall lauernden Klischees hereinzufallen, um mit einem Minimum an genretypischen Mitteln das Gewohnte neu zu definieren, gegen den Strich zu bürsten, zu parodieren und zu karikieren. Die versammelten Vermeidungsstrategien aller Bandmitglieder machten das Zuhören zu einem amüsanten Erlebnis. Wie schafft man es, einen eher abgeschmackten amerikanischen Folksong  à la "Home on the range" unter Einsatz von Singstimme, Akkordeon, Gitarre, Kontrabass und Schlagzeug so zu transformieren, dass er gleichzeitig noch gut erkennbar und dennoch nur Mittel zum höheren Zweck, zum Katalysator einer guten, überzeugenden, improvisierten Live-Musik wird? Einfach Isolde Werner und ihre Band fragen.

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