Gilt
in der klassischen Kammermusik das
Streichquartett als die
Standardbesetzung schlechthin, innerhalb
der sich in höchster Verdichtung
schnörkellos das wichtigste Anliegen
der Komponisten artikuliert, so wurde im
Jazz das Quartett aus Melodieinstrument,
Klavier, Bass und Schlagzeug zur
universalen, repräsentativen
Instrumentenzusammenstellung. Auch wenn
das Klaviertrio weiter verbreitet ist,
bietet die Einbindung eines reinen
Melodieinstrumentes den größeren
Farbenreichtum und die größere
Ausdruckspalette. Arne Huber
(Kontrabass) hat mit seinem Quartett,
welches er auch größtenteils mit
eigenen Kompositionen oder Arrangements
versorgte, diese erweiterten
Möglichkeiten erstaunlich gut genutzt
und damit zuerst seine hochkarätigen
musikalischen Mitstreiter und dann auch
das Biberacher Publikum überzeugt.
Ohne
Zweifel hätte der einmal mehr
herausragend agierende, in Biberach
wohlbekannte Rainer Böhm mit seinen
genialen Improvisationen, unaufgeregter
Virtuosität und brillanter Technik auch
in einem Klaviertrio (z.B. zusammen mit
Dieter Ilg) oder als Solist eine gute
Figur gemacht. So jedoch hat der
international gefeierte Schweizer
Saxophonist und Klarinettist Domenic
Landolf mit seiner hohen Spielkultur und
großer Individualität den Ohren der
zahlreichen Gäste im Jazzkeller eine
durchaus willkommene klangliche und
strukturelle Abwechslung sowie Rainer
Böhm immer mal wieder rekreative
Momente in der Rolle des
Klavierbegleiters beschert. Auch den
seit vielen Jahren in New York lebenden
Schlagzeuger Jochen Rückert, dessen
Projekte mit dem Marc Copland Trio, John
Abercrombie, Joachim Kühn, Pat Metheny,
Till Brönner und anderen Größen sich
wie ein „Who’s Who" des Jazz
lesen, in eine Quartettformationen zu
bekommen, zeugt von Qualitäten des
Bandleaders, die sich erst bei genauem
Hinhören erkennen ließen.
Arne
Huber war ständig präsent, stand mit
seinem Bass aber niemals im Vordergrund.
Arne Huber war immer der devote
Begleiter, der seine Mitstreiter mit
sicherem Fundament, stimulierendem
Groove und neuen Ideen versorgte. Arne
Huber war aber auch derjenige, der es
vermochte drei hochrangige musikalische
Individualisten in jeweils eigenen
stilistischen Universen zu bändigen und
in einem ungemein reichhaltigen
Konglomerat in kontrapunktischer
Verzahnung zusammen zu fügen.
Die
Vermeidung von standardisierten Patterns
und hohlen Phrasen schien dabei zu einer
der Leitlinien des Quartetts zu
gehören. Am sinnfälligsten wurde dies
bei Jochen Rückert, der sich in seinen
Rhythmen immer wieder neu erfand. Mit
eher neutral gehaltenen Songtiteln
beschritt Arne Huber auch nicht den
einfachen Weg, dem Zuhörer
vermeintliche Hör- und
Verständnishilfen in Form poetischer
Überschriften oder Erläuterungen zu
geben aber damit zugleich die Fantasie
zu fesseln. Er beließ der Musik ihre
Magie und Universalität und kam,
vielleicht sogar gerade deswegen, beim
Publikum bestens an.
Dr.
Helmut Schönecker