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Foto
Schönecker
Rolf
Richie Golz beim Heimspiel im Jazzkeller
Harmonisches
Pianospiel im Kreis der Freunde
Eine
stattliche Zahl an Fans, Schülern und
Freunden des Biberacher Pianisten Rolf
Richie Golz fanden beim
Freitagabendkonzert des Jazzclubs
Biberach einen hoch motivierten, fast
schon aufgekratzt wirkenden heimischen Künstler
in allerbester Spiellaune vor. Mit diesem gelungenen
Abend hat er seinen Fankreis unter den
Konzertbesuchern wohl sogar noch
erweitern können.
In einer außerordentlichen
stilistischen Bandbreite, von fetzigen
Boogie- und Bluespiano-Titeln zu
filigranen Kompositionen mit barocken
und klassischen Anklängen, von
meditativ klangmalerischen Stücken zu
leichtem Piano-Pop im Stile eines Billy
Joel oder Elton John, von romantischen
Lyrizismen zu fantasievoll kreativem
Modern Jazz à la Keith Jarrett, vom
dezent unterhaltsamen Bar- oder
Cocktailjazz bis hin zu vollgriffig
konzertanten Virtuosennummern war alles
vertreten, was allgemein gefällt und
populär ist. Nahezu alles was im
modernen Jazz, ja überhaupt in der
Klaviermusik Rang und Namen hat, wurde
von dem in der regionalen Öffentlichkeit lange Zeit unterschätzten
Biberacher Künstler intellektuell und
emotional verarbeitet und in
abwechslungsreiche, keinesfalls
eklektische Eigenkompositionen
eingegossen. Ecken und Kanten der
Golzschen Stücke waren dabei bewusst
geglättet, und bereits die Abfolge der
klangsinnlichen Konglomerate war immer
auf Ausgleich bedacht. Auf Euphorie
folgte Melancholie, auf Regen
Sonnenschein. Keine Frage. Diese
Ausgewogenheit hatte einen großen
Anteil an dem entspannt unterhaltsamen,
abgerundeten Konzertabend, der im
Publikum Glücksgefühle und
Zufriedenheit hinterließ, der dankbaren
Applaus und mehrere Zugaben nach sich
zog.
Diese programmatische Ausgewogenheit hat
aber möglicherweise auch die Chance
ausgelassen, durch geschickte
Dramaturgie das Publikum an- und
aufzuheizen oder gar zu richtigen
Begeisterungsstürmen hinzureißen.
Technisches und musikalisches Potential
dazu ist bei Golz überreichlich
vorhanden. Die prinzipienhafte
Angewohnheit jedoch, immer wieder Druck
aus dem Kessel zu nehmen, vielleicht
auch in der Absicht mit den eigenen Kräften
ökonomisch hauszuhalten, führte
konsequent zu einer eher kontemplativen
Grundhaltung der Golzschen Musik. Die
introvertierte Verzücktheit, die sich
in Golz’ Mienenspiel und Körpersprache
äußerte, die auch im häufigen
Mitsingen oder Mitsummen der
Melodielinien zum Ausdruck kam, verkörperte
jedoch auch die ausbalancierte Harmonie
aller Teile des Ganzen, das ästhetische
Streben nach dem musikalisch Schönen,
das mehr beinhaltet als nur den schönen
Schein.
Dr. Helmut Schönecker
Schwäbische
Zeitung, 15. Oktober 2007
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