Jazzclub Biberach e.V.

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Konzertkritik zum 23.01.2004

 

Oliver Fabro mit Flamenco-Jazz 

im Biberacher Jazzkeller
Virtuos-virtuelle spanische Impressionen

Eigentlich war nichts daran Spanisch. Ein
Musiker aus Bad Säckingen – Oliver Fabro – und zwei Brüder (Zwillinge) aus Sigmaringen – Harry und Wolfgang Eisele – suggerierten dem zahlreich erschienenen Publikum im Biberacher Jazzkeller dennoch in überzeugender Weise spanisches Flair, Temperament und Leidenschaft. Das Trio aus Gitarre, Flügel und einem Sammelsurium an weiteren Instrumenten überzeugte dabei mit seiner beseelten Musik auch Skeptiker.

Leider nur zwei balladenhafte Titel enthielt das vielseitig
abwechslungsreiche Programm, diese aber boten Herausragendes: echte, tiefe Emotionen, Sehnsucht ohne Künstlichkeit. Das Publikum saß völlig entrückt und verzückt und brauchte Sekunden nach dem Verklingen des Schlussakkordes um die verklärte Stimmung durch profanen Beifall wieder aufzulösen. Geschickt platziert, nur eines pro Set, bewahrten diese verträumten Stücke das enthusiastische Publikum immer wieder vor dem Abheben. Unter Einsatz spanischer Klatschtechniken aus der Flamencoecke, den Palmas, durch eine höchst virtuos gespielte spanische Gitarre, durch rasante Unisonolinien zwischen Gitarre oder Mandoline und Klavier, durch erfrischende Rhythmen aus dem magischen Dreieck zwischen Spanien, Irland und Südamerika sowie durch leidenschaftliche Improvisationen im Jazzidiom schlug das sichtlich inspirierte Trio alle Anwesenden in seinen Bann, ließ Wogen der Begeisterung aufbranden.

Natürlich tötet eine durchlaufende Bassdrum sofort jeden Samba, Rumba, Son
oder Bossa Nova und treibt Puristen zur Verzweiflung. Und natürlich lässt
die bunte Vielfalt und ungenierte Mischung verschiedenster Stilmerkmale
sofort den Verdacht des Eklektizismus und der Effekthascherei aufkommen.
Natürlich fragt sich der Hörer mit geschultem Ohr, ob rasante
Staccatopassagen im Unisono aller drei Musiker denn überhaupt sein müssen,
wenn sie denn nicht tatsächlich sauber, synchron und wie selbstverständlich
daherkommen. Aber wo Fabro draufsteht ist offenkundig auch Fabro drin: Alle
ästhetischen Bedenken blieben nur äußerlich und wirkten aufgesetzt, weil die
Kraft und Lebendigkeit der Musik sich ihre eigenen Wege bahnte und weil die
persönliche Integrität der Musiker aus den Ingredienzien ihres Materials
über alle Genres hinweg etwas Neues und Eigenständiges zusammenschmolz, den
höchst phantasievollen Personalstil à la "Fabro".

Ob in einer spanischen Malagueña, einem argentinischen Tango, einem irischen
Reel oder einem kubanischen Son, der rhythmische Hauptmacher Wolfgang Eisele an der selbstgebauten Basstrommel und unzähligen weiteren
Perkussionsinstrumenten hielt die Fäden in der Hand. So ganz nebenbei
spielte der Multiinstrumentalist auch noch Querflöte, Sopran- und
Altsaxophon oder die zweite Gitarre, niemals aber bloß die zweite Geige:
ebenso wie sein Bruder am Piano ein profunder Aktivposten, über dem sich der
souveräne Fabro zu musikalischen Höchstleistungen aufschwingen konnte.


Dr. Helmut Schönecker

 

www.fabro.de

 

1993-2003  = 10 Jahre FABRO

Im Bilde rechts von oben:

Wolfgang Eisele: Saxophone, Querflöte, Gitarre, Palmas, Percussion

Harry Eisele: Piano, Keyboards, Palmas, Percussion

Oliver Fabro: Gitarre, Mandoline, Bass, Komposition

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