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Die
drei Jungs um Bandleader Vlado
Grizelj aus München hatten am
Freitagabend im Biberacher
Jazzkeller buchstäblich den Tiger
im Tank. Die im Programm angekündigte
„Dompteuse“, Komponistin,
Pianistin und Sängerin Andrea
Hermenau war zwar wegen einer
wichtigen Prüfung nicht mit nach
Biberach gekommen und nur in Form
ihrer Kompositionen präsent, der
mehrfach preisgekrönte
„Ersatzmann“ Jan Eschke am
Steinwayflügel, „einer der großen
Klaviervirtuosen Deutschlands“ (Süddeutsche
Zeitung) hatte es jedoch
ebenfalls so richtig in sich. Und
alle vier Musiker der
Multikultitruppe ETNA zusammen
bildeten einen Ausbund an Energie,
der es mit dem höchsten europäischen
Vulkan, in italienischer
Schreibeweise „Etna“, mühelos
aufnehmen konnte.
Hin-
und her gerissen zwischen
stilistischen Affinitäten zu den
Jazzikonen Pat Metheney bei Vlado
Grizelj oder Keith Jarrett bei Jan
Eschke fand sich, vermittelt durch
den kernig groovenden Drummer [Manuel
da Coll] und den aus Ruanda
stammenden Kontra- und E-Bassisten
Yvo Fischer in den Kompositionen
des bosnischen Gitarristen Vlado
Grizelj musikalische Vollwertkost,
deren kalorienreiche Zutaten aus
Modern Jazz, Rock und Funk,
melodisch gewürzt durch
balkanische Spezialitäten und
freche Zitate für das begeisterte
Publikum zu einer ebenso
herzhaften wie erlesenen Delikatesse
wurde.
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Eben
noch satt und druckvoll
unter federnder Hochspannung
verloren in virtuos spielerischer
Ekstase, etwa in „Jumping Bug“
(„Springmücke“), fanden die
vier Wahlbajuwaren bruchlos ihren
Weg zurück in unverstellt
romantische Balladen
(„Lullaby“) mit
weltvergessener Klangsinnlichkeit
und entrückter Transzendenz - ein
kreislaufstimulierendes Wechselbad
intensivster Emotionalität.
Seit
ETNA beim Biberacher Jazzpreis
2006 den Publikumspreis erringen
konnte, hat sich die Formation
musikalisch noch mal beträchtlich
steigern können. Die Komposition
„Tauwetter“ aus der Feder von
Andrea Hermenau, gleichzeitig auch
Titel der neuesten ETNA-CD,
widerspiegelt wie kaum ein anderer
Titel des Abends einen frischen,
bereits voll ausgereiften modernen
Jazzstil, der bei allen Anklängen
an große Vorbilder ein hohes Maß
an musikalischer Eigenständigkeit
aufweist, mit großer
gestalterischer Kraft neue Klangräume
öffnet und bestimmt noch viele
Fans finden wird.
Trotz
später Stunde – wegen „höherer
Gewalt“ konnte das Konzert
leider erst mit einer halben
Stunde Verspätung beginnen –
gewährten die Münchner
Vollblutjazzer gerne noch zwei
Zugaben für die enthusiastischen
Fans.
Originaltext
Dr. Helmut Schönecker
für
die Schwäbische Zeitung
vom 1.7.2009 |