Eines
der Formate von „Rethberg Music",
der neugegründeten Firma des Dresdner
Pianisten und Arrangeurs der „Elisa
Weiß Band", Matthias Rethberg, ist
die Präsentation der Sängerin und
Komponistin Elisa Weiß und ihrer Band.
Ein rundum überzeugendes Konzept, wie
am Freitagabend im Biberacher Jazzkeller
zu hören war, zeigt die junge
Künstlerin doch ein ungewöhnlich
vielschichtiges künstlerisches Profil.
Markenzeichen von Elisa Weiß sind eine
wandlungsfähige, ausdrucksstarke
Stimme, die nötige Bühnenpräsenz und
– für den kommerziellen Erfolg
vielleicht am wichtigsten – ein
facettenreicher, gefälliger Musikstil
im Grenzbereich zwischen Jazz und Pop,
mit einem gehörigen Schuss Romantik und
psychedelischer Transzendenz. Ließen
sich zu Beginn noch Assoziationen zu
großen Vorbildern, etwa Kate Bush,
Sophie Hunger, Christina Aquilera oder
auch zu Björk und Enya herstellen, so
trat im Verlauf des Abends immer
stärker Elisa Weiß pur in den
Vordergrund, am überzeugendsten in der
zweiten Zugabe, einem noch nicht fertig
arrangierten Titel von der neuen, noch
unveröffentlichten CD.
Hinter
der Begleitband von Elisa Weiß
verbergen sich Matthias Rethberg am
Klavier, Matthias Weisbach an der
Violine, Karina Nunez am Cello und Nadja
Schrötter am Schlagzeug. Wenn auch da
oder dort Bedauern zu hören war
darüber, dass sich die durchaus
versierten Bandmitglieder vielleicht
allzu servil in den musikalischen
Hintergrund zurückzogen um ihre Elisa
Weiß wie eine Prinzessin auf Händen zu
tragen, so wirkte die Konzeption doch
insgesamt stimmig und überzeugend. Die
Streichinstrumente sorgten für eine
üppige und dennoch filigrane
Klanglichkeit jenseits poptypischer
Automatismen, das Schlagzeug groovte in
präziser Leichtigkeit, das Klavier
füllte in selbstauferlegter
Zurückhaltung und feiner Gediegenheit
sensibel alle weiteren Lücken.
Gemeinsam webte die Band eine dichte
Klangwolke, auf der sich Elisa Weiß im
weißen Spitzenkleid sinnlich stimmlich
räkeln konnte.
Zum
romantischen Outfit der Inszenierung
gehörte auch ein kunstvoll auf der
Bühne drapierter und vorweihnachtlich
illuminierter Wolkenschleier sowie
gedämpfte Raumbeleuchtung mit
stimmungsvollem Kerzenschein. Auch wenn
die Bevorzugung modaler Tonarten mit der
daraus resultierenden Motivik und
Harmonik eine überwiegend
melancholische Grundstimmung erzeugte,
die auch noch den eher heiteren Themen
eine tiefere Bedeutung verlieh, so
bewahrte der zupackende Groove der
Rhythmusabteilung die Musik doch davor,
allzu tief in den psychedelischen
Untiefen zu versinken.
Beim
Publikum stieß die Elisa Weiß Band auf
breite Zustimmung und große
Begeisterung, und auch nach den beiden
Zugaben standen alle Bandmitglieder
gerne noch bis zum frühen Morgen für
fruchtbare Gespräche mit ihren
zahlreichen dankbaren Fans zur
Verfügung.
Dr.
Helmut Schönecker
Originaltext
für die Schwäbische Zeitung vom
16.11.2010