Jazzclub Biberach e.V.

r Jazzband

 

Unplugged Jazzy Pop Music aus Dresden

Elisa Weiß & Band 

Freitag 12. November 2010 um 20:30 Uhr im Biberacher Jazzkeller

 

Melancholischer Pop-Jazz aus Dresden

Prinzessin Elisa singt auf Wolke 7

Eines der Formate von „Rethberg Music", der neugegründeten Firma des Dresdner Pianisten und Arrangeurs der „Elisa Weiß Band", Matthias Rethberg, ist die Präsentation der Sängerin und Komponistin Elisa Weiß und ihrer Band. Ein rundum überzeugendes Konzept, wie am Freitagabend im Biberacher Jazzkeller zu hören war, zeigt die junge Künstlerin doch ein ungewöhnlich vielschichtiges künstlerisches Profil. Markenzeichen von Elisa Weiß sind eine wandlungsfähige, ausdrucksstarke Stimme, die nötige Bühnenpräsenz und – für den kommerziellen Erfolg vielleicht am wichtigsten – ein facettenreicher, gefälliger Musikstil im Grenzbereich zwischen Jazz und Pop, mit einem gehörigen Schuss Romantik und psychedelischer Transzendenz. Ließen sich zu Beginn noch Assoziationen zu großen Vorbildern, etwa Kate Bush, Sophie Hunger, Christina Aquilera oder auch zu Björk und Enya herstellen, so trat im Verlauf des Abends immer stärker Elisa Weiß pur in den Vordergrund, am überzeugendsten in der zweiten Zugabe, einem noch nicht fertig arrangierten Titel von der neuen, noch unveröffentlichten CD.

Hinter der Begleitband von Elisa Weiß verbergen sich Matthias Rethberg am Klavier, Matthias Weisbach an der Violine, Karina Nunez am Cello und Nadja Schrötter am Schlagzeug. Wenn auch da oder dort Bedauern zu hören war darüber, dass sich die durchaus versierten Bandmitglieder vielleicht allzu servil in den musikalischen Hintergrund zurückzogen um ihre Elisa Weiß wie eine Prinzessin auf Händen zu tragen, so wirkte die Konzeption doch insgesamt stimmig und überzeugend. Die Streichinstrumente sorgten für eine üppige und dennoch filigrane Klanglichkeit jenseits poptypischer Automatismen, das Schlagzeug groovte in präziser Leichtigkeit, das Klavier füllte in selbstauferlegter Zurückhaltung und feiner Gediegenheit sensibel alle weiteren Lücken. Gemeinsam webte die Band eine dichte Klangwolke, auf der sich Elisa Weiß im weißen Spitzenkleid sinnlich stimmlich räkeln konnte.

Zum romantischen Outfit der Inszenierung gehörte auch ein kunstvoll auf der Bühne drapierter und vorweihnachtlich illuminierter Wolkenschleier sowie gedämpfte Raumbeleuchtung mit stimmungsvollem Kerzenschein. Auch wenn die Bevorzugung modaler Tonarten mit der daraus resultierenden Motivik und Harmonik eine überwiegend melancholische Grundstimmung erzeugte, die auch noch den eher heiteren Themen eine tiefere Bedeutung verlieh, so bewahrte der zupackende Groove der Rhythmusabteilung die Musik doch davor, allzu tief in den psychedelischen Untiefen zu versinken.

Beim Publikum stieß die Elisa Weiß Band auf breite Zustimmung und große Begeisterung, und auch nach den beiden Zugaben standen alle Bandmitglieder gerne noch bis zum frühen Morgen für fruchtbare Gespräche mit ihren zahlreichen dankbaren Fans zur Verfügung.

Dr. Helmut Schönecker

Originaltext für die Schwäbische Zeitung vom 16.11.2010

 

 

 

 

 

 

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