|
Dass
der Blues lebt und immer neue Blüten
treibt, hat einmal mehr der seit
rund acht Jahren in Deutschland
lebende Amerikaner Douglas
"Doug" Jay mit seinen
Blue Jays am Samstagabend im gut
gefüllten Biberacher Jazzkeller
eindrucksvoll bewiesen. Selten
schlugen in dem honorigen
"Gewölbe" die Wogen der
Begeisterung so hoch.
Nur mit einigen zentimetergroßen
Mundharmonikas und einer
bluestypischen
"Alltagsstimme" aus-
gestattet, zündete Doug Jay vom
ersten Titel an ein wahres
Feuerwerk an Emotionen. Überwiegend
Eigenkompositionen der letzten 10
Jahre, die sich allesamt auf den
wiederholt vom kurzweilig mo-
derierenden Bandleader in
drolligem "Germisch"
oder "Denglisch" angepriesenen
CD-Produktionen wieder finden,
boten einen authentischen Einblick
in die Gefühls- und
Erfahrungswelt eines wandern- den
Blues-Barden. Kongenialer Partner
war ihm Jimmy Reiter, dessen
Gitarrenspiel und -sound sich
hinter den großen amerikanischen
Vorbildern nicht verstecken
musste. Unter dem Motto
"Alles Fender oder was"
kultivierte er den angesagtesten
Gitarrensound aller Zeiten in
geradezu virtuoser Perfektion. Wie
gut Blues und Jazz sich dabei
miteinander vertragen, zeigte sich
in den wunder- vollen
Dialogimprovisationen zwischen
Gitarre und Blues Harp.
|
Aber
nicht da, wo enervierende Rhythmen
(Drumset – André Werkmeister),
druck- volle Bässe (E-Bass –
Udo Hartmann), fetzige Gitarren-
und jaulende Blues-
harmonika-Sounds kurz unterhalb
der Schmerz- schwelle dominierten,
nein,da wo sich die acht
wattstarken Lautsprecherboxen nur
als unnötige Staffage erwiesen,
ereignete sich das wirklich
Bedeutungsvolle des Bluesabends.
In einem von Muddy Waters
inspirierten Blues über ein
junges Mädchen, "She Moves
Me", verfielen Reiter und Jay
in einen intimen musikalischen
Dialog im zartesten Pianissimo, in
dessen Verlauf Reiter seine Tonab-
nehmer fast ganz abdrehte und Doug
Jay ohne Mikro und Verstärkung,
fast verloren am Bühnenrand
sitzend, in vielsagend
parlierenden Blues Harp-Tönen
seinen Erinnerungen nachzuhängen
schien. Erinnerungen vielleicht an
den archaischen Country Blues, der
mit einfachsten Mitteln ein
Maximum an Ausdruck und Glaubwürdigkeit
erzielte. Genau hier zeigte sich
denn auch die wahre Meisterschaft
der beiden Frontmänner, hier
wurde klar, dass Doug Jay und
Jimmy Reiter den Blues tatsächlich
haben und ihn nicht nur geschäftsmäßig
interpretieren. Hier leuchtete
durch alle Professionalität
hindurch die Seele des
empfindsamen, verletzlichen
Musikers, dessen sensibler
Musikalität es gelingt, einen
hoffnungsvollen Schuss Blau in das
abgrundtiefe Schwarz verzweifelter
Alltäglichkeit zu bringen.
|