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11.
November 2005
Walter Bittners
"Double
You-Be" im Biberacher Jazzkeller
Extravagante musikalische Flausen im Kopf
Da wo die
"Flausen im Kopf“ am größten waren, war auch die Musik am
interessantesten. Skurrile, witzige, abwechslungsreiche und packende
Collagen der Formation "Double
You-Be“ aus Walter Bittners Augsburger
Musikwerkstatt mischten beim jüngsten Jazzclubkonzert ihr Biberacher
Publikum kräftig auf, stürzten es in ein wonnevoll kurzweiliges Wechselbad
der Gefühle.
Vorprogrammierte musikalische Patterns und Loops, über Drumpads vom
Schlagzeuger und Bandleader Walter Bittner gesteuert und – Apple sei Dank –
ohne störende Latenzen virtuos mit den meist afro-lateinamerikanischen
Live-Grooves des kuriosen Quintetts gemischt, erzeugten eine
spannungsgeladene, höchst eigenwillige Mixtur mit schier unglaublicher
stilistischer Bandbreite. Moderne Dance- und Hip Hop-Grooves vermengten sich
organisch mit samba- und salsaartigen Rhythmen, klassische Horn- und
Saxophonklänge verbanden sich wie selbstverständlich mit futuristischen
Sample- und Synthi-Sounds der Techno-Branche zu ungewöhnlichen
Klang-Konglomeraten als ästhetische Vorboten einer neuen Cross-Over-Ära. Nur
an wenigen Stellen, wo Konzentration und Gestaltungskraft der Bittner-Truppe
nachließen, drohte das divergierende Substrat in seine Einzelteile zu
zerfallen und ließ vereinzelt eklektizistische Tendenzen aufzublitzen.
Die charismatische Frontfrau Ute Legner steuerte neben ihrem mannigfaltigen
Gesang, der von Schnarch- und Grunzlauten über diverse Scat- und
Rap-Einlagen, teils im Dialog mit dem virtuos-expressiven Saxophonisten
Bobby Palleis, bis zu ausdrucksstarken Kantilenen reichte, auch einige
Horneinlagen bei. Vom letzten Titel des Abends abgesehen durfte sie ihr Horn
jedoch nur zu rhythmischen Bläserakzenten oder zur optischen Auflockerung
einsetzen. Helmut Tröndle, am Flügel, an den Congas oder an diversen
Perkussionsinstrumenten sowie als Komponist einiger Titel war, ebenso wie
Klaus Füger am Kontrabass, so etwas wie der dienstbare Geist der Formation,
immer präsent, verlässlich, dabei aber meist dezent im Hintergrund. Seine
eher konventionellen Kompositionen offenbarten aber, wie viele der
langsameren Titel oder Balladen, allen voran der eher unterkühlt wirkende
"Love Song“, auch eine der Schwächen von Bittners Konzeption. Expressive
Inspiriertheit, sensible Untertöne oder tief empfundene Emotionalität sind
Befindlichkeiten, die sich auf diese Weise nur schwer transportieren lassen.
Nach verhaltenem Beginn waren ab
"Flash Beat“, dem letzten Titel vor der
Pause, die Fünf wie "vom Blitz getroffen“, energetisch angereichert,
inspiriert. Die Dramaturgie gegen Ende des zweiten Sets, unter anderem als
programmatisches Highlight "Riddles on my mind“ oder
"New Orleans 2nd line“
von der neuen CD, sowie eine ganze Reihe hochmotivierter Fans brachten
schließlich den Jazzkeller beinahe zum Kochen und dem Publikum zwei gern
gewährte Zugaben.
Dr. Helmut Schönecker
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