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Selten
finden sich in einer ästhetischen
Darbietung professionellen
Zuschnitts so wenig konventionelle
Anknüpfungspunkte, die eine Annäherung
zwischen Künstlern und Publikum
gewährleisten. Selten werden
Chiffren und Strukturen
zwischenmenschlicher Verständigung
in einer lyrisch-musikalischen
Live-Darbietung so gegen den
Strich gebürstet. Und noch
seltener klappen Kommunikation und
Interaktion so verschiedener Künstler
untereinander und mit dem Publikum
dennoch so selbstverständlich und
unspektakulär wie bei dem Projekt
„Lebensklänge“ von Steffen
Dietze und Thomas Laengerer beim
letzten Jazzclubkonzert im
Biberacher Jazzkeller.
Selbstverständliches
(„Die Erde ist rund“) und Alltägliches
(„Alltag“) mischten sich mit
Tiefsinnigem, etwa Erich Frieds
bekanntem Gedicht über die Liebe
„Es ist was es ist“, Komischem
(„Jodok lässt grüßen“),
Surrealem oder auch Zeitkritischem
(„Der Mann mit dem Gedächtnis“).
Natürlich, sympathisch und
unaufgeregt setzte Thomas
Laengerer seine treffend gewählten
poetischen Texte in Szene,
parlierte, deklamierte und
rezitierte engagiert und mit
durchgehendem Spannungsbogen.
Musikalisch
gerahmt, pointiert, kommentiert
oder paraphrasiert wurden die
Laengerschen Worte von Steffen
Dietze am leider etwas verstimmten
Steinwayflügel. Dietzes
Eigenkompositionen und
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Improvisationen,
teils zur besseren Verzahnung mit
den Gedichten in einzelne Patterns
und Phrasen zerlegt,
korrespondierten direkt oder
indirekt mit den sprachlichen
Bildern, Stimmungen und Gefühlen.
Ob der teils melancholische,
mitunter auch etwas entrückte
Grundton der gelegentlich an
„Minimal Music“ oder
„Pop-Rock-Fusion“, oft jedoch
auch an amorphe Klangcollagen so
genannter „Entspannungsmusik“
erinnernden Stücke dem
Ausdrucksgehalt der lyrischen
Texte geschuldet war oder ob damit
autonome musikalische Aussagen im
Sinne des Konzertmottos
„Lebensklänge“ intendiert
waren, ergab sich nicht zwingend.
Dem einen oder anderen Titel hätte
in seiner literarischen Umgebung
vielleicht etwas mehr Biss ganz
gut angestanden. Dem eher auf
Wohlklänge eingestimmten, ungewöhnlich
zahlreichen, Publikum wäre damit
aber möglicherweise der
zweifellos vorhandene ästhetische
Genuss abhanden gekommen, der mit
dankbarem Beifall quittiert wurde.
Die
Gratwanderung der neueren Musik,
die Zuhörer nicht mit unnötigen
Dissonanzen zu vergraulen und
dennoch die künstlerische
Wahrheit auszusprechen, konnte in
der „textjazzigen Hommage für
Querdenker und Hinhörer“ nicht
besser eingefangen werden. Der
gelungene Versuch, Sprache und
Musik auf durchaus innovative
Weise zu verbinden und somit zum
Nachdenken anzuregen, sollte dem
Biberacher Gespann Motivation für
weitere Unternehmungen dieser Art
sein.
Dr.
Helmut Schönecker
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