Jazzclub Biberach e.V.  

 

Barbara Dennerlein 

Thomas Scheytt  & Ignaz Netzer

Konzertkritik zum 17. September 2004 

 

Jazzclub-Highlight mit Barbara Dennerlein, 

Ignaz Netzer und Thomas Scheytt im „Abdera“

Von Kopf bis Fuß auf Blues eingestellt

Knapp 200 Dennerlein-, Hammond-, Blues- und Boogiefans mussten in der Biberacher Kulturhalle „Abdera“ rund zwei Stunden auf den angekündigten Höhepunkt warten: das „Hammond, Blues & Boogie-Projekt“ mit Barbara Dennerlein, Ignaz Netzer und Thomas Scheytt, die nach langen Präliminarien im dritten Set doch noch zusammen fanden.

Der charismatische Vollblut-Bluesmann Ignaz Netzer, als launiger Conferencier nicht minder überzeugend denn als exzellenter Blues-Harp- und Gitarrenspieler mit einer rabenschwarzen, erdig-rauchig abgemischten Bluesstimme, gänsehautverursachenden Bluesinterpretationen zwischen tiefster Melancholie und nonchalanter Parodie, versetzte von Beginn an seine Fans in helles Entzücken. Die musikalische Zusammenarbeit mit dem eher zurückhaltend
agierenden, gleichwohl brillanten Boogiepianisten Thomas Scheytt erwies sich als äußerst fruchtbar, die eher untypische Besetzung wirkte keinen Moment störend. Das drahtig-schlank gemixte digitale Honkytonk-Piano vertrug sich bestens mit den etwas wärmeren und fülligeren Sounds der Gitarren, der knarzigen Bluesstimme und den solitären Blues-Harp-Klängen von Ignaz Netzer.
Die Fusion von „Oldtime Blues & Boogie“ im ersten Set gelang überzeugend, wirkte authentisch und begeisterte rundum.

Starorganistin Barbara Dennerlein auf ihrer bald 50 Jahre alten, allerdings mit allen Schikanen modernster Technik angereicherten Hammond B3 zelebrierte den zweiten Programmteil – Solo. Überwiegend mit kantengerundeten
Eigenkompositionen, die früheren Esprit und Experimentierfreude nur noch in Ansätzen erkennen ließen, trat eine gereifte, international arrivierte
Künstlerpersönlichkeit auf das Parkett, die bar jeden künstlerischen Rechtfertigungsdrucks und leeren Virtuosengetues dem erwartungsvollen Publikum zeitgemäß swingende Einblicke in Teile ihres Seelenlebens
gestattete. Dennerlein spielte dabei so relaxt, geschliffen und gediegen, dass es ästhetisch bereits wieder grenzwertig wirkte: auf Hochglanz polierter, oberflächlicher Recycle-Swing, zeitgemäßes Swing-Revival. Tiefe und Intensität gewann ihr Spiel erst mit dem Memorial-Blues für zwei verstorbene Freunde und von da an begannen alle Fäden sinnfällig zusammen zu laufen. Auch im Erfolgsjazz ist Swing ist eben nicht alles – All that blues.

Die musikalische Botschaft lautete, ähnlich wie in dem legendären Blues-Brothers-Movie: Blues ist die Seele des Ganzen, ohne Blues kein Jazz, ohne Schmerz kein richtiges Leben, ohne Tiefen keine Höhen. Musikalisch eingelöst wurde diese Botschaft überzeugend im heftig beklatschten finalen
Set „Hammond-Lady meets Oldtime Blues & Boogie Duo“. Nach virtuosen Höhenflügen und langjährigen multi-stilistischen Erfahrungen und kommerziellen Erfolgen führte ihr Weg zurück zu den Wurzeln, zur Hommage an den Blues. An dieser Fusion, der Versöhnung von eklektisch-artifiziellen Erfolgen auf internationalem Parkett und bodenständiger Authentizität wird weiterhin zu arbeiten sein, der Reifungsprozess hat begonnen.

Dr. Helmut Schönecker

http://www.bebabrecords.com/de/

http://www.ignaznetzer.de/index.htm

http://www.ignaznetzer.de/dennerlein_netzer_scheytt.htm

 

 

                  

              

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