BIBERACH
- Ihr musikalisches Erfolgsrezept trägt
noch so gut wie vor 12 Jahren, als sie
ebenfalls im Jazzkeller ihr
Biberach-Debüt gaben. Neben der
ivorisch-französischen Namensgeberin
mit der überaus expressiven Stimme
spielen Bernd Heitzler (Bass), Andreas
Erchinger (Klavier, Keyboards) und Lars
Binder (Schlagzeug) seit über 20 Jahren
in der Stammbesetzung zusammen, das
Kürzel CVQ ist heute im europäischen
Jazz ein Qualitätssiegel.
Die
Texte von Cécile Verny, gelegentlich
auch eine poetische Vorlage des
visionären englischen Dichters William
Blake, geben den drei komponierenden
Mitmusikern das Sujet, den Anlass und
die Inspiration zu ihren Kompositionen.
Die Seele der musikalischen Geschichten
ist jedoch in der Ausführung
unzweifelhaft die in Freiburg lebende
französische Sängerin mit den
westafrikanischen Wurzeln, deren
sympathische, emotionsbetonte Moderation
dem überaus zahlreich erschienenen
Publikum auch willkommene
Verstehenshilfen gab. Genussvoll
entrücktes Zuhören, anfeuernder
Applaus und Begeisterungsrufe aus dem
Publikum trieben das Quartett zu
inspirierten Darbietungen, die kaum
vernehmbar darunter litten, dass der
Kontrabass von Bernd Heitzler angesichts
der arktischen Temperaturen beim
Transport einem Frostschaden erlag. Die
unbürokratische Soforthilfe seitens der
Bruno-Frey-Musikschule, die kurzfristig
ein Schülerinstrument zur Verfügung
stellen konnte, half größere Probleme
zu vermeiden.
Anders
als in vielen traditionellen
Quartettformationen mit Gesang versteht
sich Cécile Verny nicht nur als
Impulsgeberin oder pittoresker Rahmen
für ausgedehnte, extrovertierte
Instrumentalimprovisationen in linearer
Reihung sondern sie bestimmt zu jeder
Zeit das musikalische Geschehen mit. Das
ist umso bemerkenswerter als die drei
Begleiter nicht nur auf höchstem
musikalischem Niveau agieren sondern als
komponierende Musiker auch nicht der
Gefahr inhaltsleerer Tonkaskaden oder
langweiliger Verkettungen von
Standardfiguren unterliegen. Cécile
Verny improvisiert und scattet in allen
Registern und Stilrichtungen, sie
interpretiert höchst expressiv in allen
Dynamikvarianten. Um es kurz zu machen,
sie singt einfach wunderschön und
bringt ihre künstlerischen Anliegen
überzeugend zum Publikum rüber. Der
Gewinn zahlreicher Preise und
Wettbewerbe auch auf europäischer Ebene
ist Beweis und Ausdruck dessen. Die
zumeist dezenten Begleiter wussten die
ihnen gewährten Freiräume durchaus
virtuos zu nutzen. Bernd Heitzler im
Wechsel zwischen Kontra- und E-Bass
sowie akustischer Bassgitarre, Andreas
Erchinger an Steinwayflügel und
diversen Keyboards, oft sogar
gleichzeitig. Und auch Lars Binder
erweiterte das perkussive Klangspektrum
um afrikanische Trommeln und weitere
Effekte, ohne daraus gleich einen Kult
zu machen. Ein runde Sache, die durch
mehrere Zugaben auch einen begeisternden
Abschluss fand.
Dr.
Helmut Schönecker