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Konzertbesprechung vom 28. Januar 2000, Cécile Verny Quartett, Jazzkeller
Cécile Verny Quartett mit Biberacher Drummer Matthias Daneck im Jazzkeller
Eine prall gefüllte musikalische Geschichtenkiste
Wer in dem ausgewogen besetzten Quartett die Hosen anhatte, war den Zuhörern schon nach wenigen Minuten klar. Drei komponierende Musiker, Andreas Eichinger am Piano, Matthias
Daneck an Drums und Percussionsinstrumenten sowie Bernd Heitzler am Kontrabaß trugen die farbige Diva Cécile Verny auf Händen. Alle Kompositionen und Arrangements rückten die ebenso resolut wie sympathisch
auftretende französische Sängerin und Bandchefin ins rechte Licht. Ihre modulationsfähige Stimme und noch mehr ihre sensible Musikalität gaben den Kompositionen Seele und Zusammenhalt, auch und gerade da wo
einzelne Improvisationen in jungmännlicher Selbstverliebtheit zu versinken drohten. Ihre in der Conference immer wieder eingestreuten Neckereien gegen "ihre" Männer inspirierten oder dämpften deren
Aktivitäten, ganz der musikalischen Dramaturgie des jeweiligen Sets verpflichtet.
Mit erläuternden Worten nahm Cécile Verny auch ihr Publikum an die Hand, um es durch einen ganzen Kosmos musikalischer Geschichten zu geleiten. Die oft mit geschlossenen Augen
agierenden Musiker und viele, ebenso lauschenden oder bereits davonschwebenden Zuhörer schienen ihr noch in die abgelegensten Gefilde folgen zu wollen. Ob Gedichte von Blake und Coleridge, ein französisches
Kinderlied, afrikanische Memoiren oder auch ein Standard von Cole Porter das musikalische Sujet abgaben, das Resultat war niemals, wie in vielen anderen Fusionkompositionen, nur ein Konglomerat aus beliebig
aufgereihten Versatzstücken. Selbst der in dieser Stilrichtung kaum zu vermeidende Anflug von Eklektizismus schien suspendiert, wenn die poetischen Ideen musikalisch zu greifen begannen und musikalische Einfälle
auch in den Improvisationen subtil fortentwickelt wurden.
Besonders in den Balladen fand das Quartett zu einer reifen Schlichtheit in Struktur und Ausführung der musikalischen Diktion, zu einer Homogenität und Geschlossenheit des Stils,
die nicht nur künstlerisch überzeugte sondern in besonders erfüllten Augenblicken transzendierende Wirkungen entfachen konnte. Die spezielle Besetzung des Quartetts erwies sich für das Bandkonzept als großer
Glücksfall, Harmonie blieb keine äußerliche Erscheinungsform, Harmonie wurde inneres Prinzip. Eine Tendenz könnte freilich für die musikalische Weiterentwicklung problematisch werden, Cécile Verny hat sie wohl
bereits erkannt: ohne Provokation, ohne Reibung, ohne Brüche könnte das Spannungsmoment der Musik irgendwann verloren gehen.
gez. Helmut Schönecker
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