BIBERACH
- Schön gemütlich eng war es beim
Freitagabendkonzert im Biberacher
Jazzkeller mit der Stuttgarter
Jazzformation "Boogaloo" und
ihrem aktuellen Programm "Sax and the
City". Stühle, Podeste und
Treppenabsätze zusammen reichten nur
knapp zum Sitzen. Offenbar hatten viele
der begeisterten Kids aus dem
Vormittagsprogramm „Jazz
for Kids" in der Stadtbücherei
ihre Eltern zu dem Abendkonzert im
Jazzkeller animiert.
Als
Moderatorin, Vokal- und Saxophonsolistin
dominierte die agile Ruth Sabadino die
Formation, deren künstlerisches Konzept
des "saxy Jazz" sich ganz der
Präsentation ihrer Person verschrieben
hatte. Beachtlich waren stilistische
Breite und Umfang des Repertoires. Der mit
rhythmisch-vokaler Publikumsunterstützung
dargebotene Titel "Jack the Ripper"
oder die Titelmelodie aus "Stahlnetz"
waren einige der wenigen Anklänge an das
über die Jahre bewährten Krimiprogramms
von "Boogaloo", mit dem die
Formation auch schon früher das
Biberacher Publikum beglückt hatte. Das
neue Programm "Sax and the City"
wuchert effektvoll mit den attraktivsten
Pfunden der Formation, Ruth Sabadino. Die
Bühnenpräsenz des aparten blonden
Multitalents und der "Late-Night-Groove"
der devoten Begleitband machten auch vor
den Höhepunkten der Jazzgeschichte, Armstrongs
"What a wonderful world",
Mancinis "Peter Gunn",
Ellingtons "Tuxedo Junction",
dem jiddischen "Bei mir bist du
scheen" und anderen Ohrwürmern
keinen Halt. Als angenehm, gefällig und
unterhaltsam erwies sich das musikalische
Resultat, wobei das soulig expressive
Saxophon die vokalen Einlagen fast noch
toppen konnte.
Ohne
die Leistung der rührigen Bandleaderin
schmälern zu wollen, kam dennoch bei den
musikalischen Soloeinlagen ihrer drei
Mitstreiter ein erfrischend neues Moment
hinzu. Besonders Uli Möck gefiel,
wenn er nicht gerade mal wieder neckisch
die musikalischen Vorgaben von Ruth
Sabadino parodierte, durch witzige und
pianistisch ausgefeilte Improvisationen,
die immer wieder auch mit chromatisch
dichten und harmonisch hochinteressanten
Voicings den konventionellen Rahmen
erweiterten. Beständig und verlässlich
groovend tauchten auch Christoph
Sabatino am Drumset und Kurt
Holzkämper am Kontrabass immer wieder
zu einem befreienden Solo an die
Oberfläche. Besonders in Fats Dominos
"I’m walking" hatte der
Drummer einen seiner Höhepunkte. Nicht
ohne Zugaben durften Ruth und die
Boogaloos den oberschwäbischen Nebel
wieder verlassen.
Dr.
Helmut Schönecker
Originaltext
für die Schwäbische Zeitung Biberach