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Konzert
am 12. November 2004 im Jazzkeller
Biberach
Frieder
Berlin Trio
Steinway-Präsentation
anlässlich des 50. Musikschul-Jubiläums
Selbst
der Drummer flippte aus und - lächelte
Eine geradezu unglaubliche stilistische
Bandbreite umfasste das Programm
des„Frieder
Berlin Trios“ beim Flügel-Einweihungskonzert
des Biberacher Jazzclubs anlässlich der
Steinway-Präsentation zum 50jährigen
Jubiläum der Bruno-Frey-Musikschule.
Vom in klassischer Werktreue
interpretierten Ragtime bis zum
stilsicher interpretierten
Mainstream-Titel des modernen Jazz, vom
tief empfundenen klassischen Blueszu
soulig
groovenden R & B-Titeln, von
allseits bekannten Standards aus der
Song- und Musical-
Tradition George Gershwins und Richard
Rodgers zu sauber gearbeiteten Eigen-
kompositionen mit hohem
Unterhaltungswert reichte die
Titelauswahl des universellen
Künstlers und seiner beiden dienstbaren
Begleiter an Kontrabass und Schlagzeug,
Peter Schmid und Hansi Schuller.
Doch wofür steht Frieder Berlin in künstlerischer
Hinsicht? Wer ist Frieder Berlin?
Der klassisch ausgebildete Schulmusiker
und Musikwissenschaftler, der
erfolgreiche
SWR-Musikredakteur und Moderator
oder das geigende Mitglied der
jungen
süddeutschen Philharmoniker? Ist Berlin
primär der engagierte Musikproduzent
seines
renommierten Labels „Satin Doll
Productions“ oder der
Multi-Instrumentalist, dessen
musikalischer Weg von der
Saulgauer Schwaaz Vere’s Jazzgang über
Erwin Lehns
Stuttgarter Hochschul-Bigband bis zu
verschiedenen eigenen Jazzformationen führt?
Der souveräne Ausnahmemusiker mit den
„Soul Fingers“, so der Titel seiner
jüngsten
CD-Produktion, kann und will es trotz
all seiner vielseitigen Betriebsamkeit
nicht
verleugnen: Er ist in erster Linie ein
begeisterter Musiker geblieben, der sich
im
Nahkampf mit dem Publikum immer wieder
aufs Neue dem unmittelbaren
Live-Feedback stellt. Angesichts der
Titelwahl bedeutet das für ihn aber
auch, sich dem
unterhaltsamen und emotionalen Aspekt
der Musik zu öffnen, Abstraktion und
Akademisierung zu meiden, dem Publikum
zu Gefallen sein und sich vom Brot
aller
Künstler zu nähren, dem Beifall.
Den ultimativen Kick dürfte er in
Biberach zunächst nicht bekommen haben,
zu brav und
verhalten fielen die anfänglichen
Reaktionen des Publikums aus, das analog
zu den
agierenden Musikern erst gegen Ende des
Konzertes auftaute. War es die Ehrfurcht
vor
dem im fabrikneuen Mattglanz sanft
erstrahlenden Steinway, der Berlin mit
spitzen
Fingern und solider Virtuosität aber
ohne feurige Ausstrahlung zu Werke gehen
ließ?
War es die kühle Präzision und
Professionalität des routinierten
Technikers, die sich auf
dem sensiblen Edelinstrument in
Salon-Jazz und elaborierten Variationen
verlor, statt sich
in künstlerischem
Selbstverwirklichungsdrang in wilde
Improvisationen zu stürzen, oder
waren es etwa die ausgefeilten,
hochkomplexen Arrangements des
Bandleaders, deren
buchstabengetreue Umsetzung
Konzentration und Kraft gebunden haben?
Wie auch immer. nach der Pause ging es
stetig aufwärts, ein virtuoser Höhepunkt
jagte den nächsten, eine
gefällige Melodie wurde von der nächsten
abgelöst und eine spezifische
Interpretation
von Gershwins Megaklassiker „I got
rhythm“ als erste der heftig
herbeigeklatschten
Zugaben, brachte - so ein verzückter
Zuhörer - den Abend auf einen Punkt:
„Selbst der
Drummer flippte aus und – lächelte.“
Dr. Helmut Schönecker
in
der Schwäbischen Zeitung
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