Foto
Schönecker
Mit
viel Verve in die Sommersaison
Inspiriertes
Peter Autschbach Duo
begeistert
rundum
BIBERACH
(hs) - Vor Beginn der Sommersaison, in
der nur die „Rondellkonzerte" vor
Jazz- und Livemusik-Entzugserscheinungen
bewahren, ging es im Jazzkeller mit dem
Peter-Autschbach-Duo nochmal so richtig
ab. Die große Überraschung war aber
nicht Peter Autschbach, der seit seinem
letzten Biberacher Auftritt 2007 mit „Terminal
A" eine Menge Fans im Oberland hat,
die heuer auch ohne große Werbung für
eine stattliche Publikumskulisse
sorgten. Von dem musicalgestählten
Peter Autschbach (Tommy by the Who,
Queen – We will rock you) durfte man
exquisites Gitarrenspiel,
kammermusikalische Dichte und polyphone
Transparenz, durchsetzt durch virtuose
Improvisationen, beseelt durch eine
geradezu innige Klangkultur, um nicht zu
sagen Klangfetischismus, erwarten.
Allein die Töne, die er seiner
Bariton-Gitarre entlockte, ließen einen
in Verzückung geraten. Kristallklar in
den hohen Lagen, satt und volltönend in
den Mitten und Tiefen lieferte er damit
das Fundament für die große
Überraschung des Abends: Samira Saygili.
Klingt
der Name der jungen Deutsch-Türkin
schon nach den sinnlichen Freuden des
Orients, so kommt die enorme stimmliche
Ausdruckspalette und Bühnenpräsenz der
Sängerin einer Offenbarung gleich. Nach
Stationen im Staatstheater Karlsruhe
(klassischer Gesang), Maastricht (Bachelor
of Arts) und New York („Jazz bis zum
Umfallen") hat Samira Saygili einen
eigenen hochexpressiven und dennoch
natürlich wirkenden Gesangsstil
gefunden, der buchstäblich unter die
Haut geht. „Moanin’ ", „Cheek
to Cheek", „Sophisticated
Lady" und andere beliebte Standards
boten den Publikum gleichermaßen
Bewährtes mit hohem
Wiedererkennungswert als auch
Innovatives in den spezifischen
Neu-Arrangements von Peter Autschbach
ebenso wie in den eigenwilligen
Neuinterpretationen von Samira Saygili.
Vor
allem im zweiten Set konnten die Beiden
die achtstündige Autobahnfahrt vollends
abschütteln und mit überschäumender
Spielfreude ihr Publikum mitreißen. Zu
den besonderen Highlights gehörte die
Neuinterpretation des Bossa-Highlights
„Girl from Ipanema" von Antonio
C. Jobim. Passend zum 80. Geburtstag von
João Gilberto, dem „Vater" des
Bossa Nova, der zusammen mit Jobim, vor
allem durch seinen dezent-relaxten
Gesang und sein synkopenreiches
Gitarrenspiel den Latin Jazz auf den Weg
brachte, erklang eine faszinierende
Musik, fernab der unsäglichen
Partymixturen mit der automatisierten
Begleitung aus der Retorte irgendwelcher
Synthesizer-Sequenzer. Mehrere gern
gewährte Zugaben beendeten einen
erfüllten Jazzabend, der süchtig
machen könnte.
Eine
interessante Fußnote setzte der
Biberacher Christoph Reck alias Mister
Speiche, der Peter Autschbach seine
zweite selbstgebaute Jazzgitarre zum
fulminanten Spiel überließ und dafür
Lob und Anerkennung vom Meister wie auch
vom Publikum erhielt.
Dr.
Helmut Schönecker