|
BIBERACH
– Joo Kraus mit Trompete und
Flügelhorn, das in den Jahren 20O1,
2003 und 2006 mit dem Jazzpreis des
Landes Baden-Württemberg
ausgezeichnete „Tales in Tones
Trio" mit Ralf Schmid am
Klavier, Veit Hübner am Bass und
dem Schlagzeuger Torsten Krill haben
sich am Sonntag in der Stadthalle
großer Songs der Popmusikgeschichte
angenommen. Diese hatten sie in
eigene Arrangements verpackt, Jazz,
Hip-Beat und Soul stilistisch
beigemischt und zu untereinander
optimal abgestimmten rhythmischen
Figuren gestaltet.
Das
Publikum hörte Songs von Paul
Simon, Burt Bacharach, Peter Gabriel
und Stevie Wonder. Über allem aber
schwebte der Geist von Michael
Jackson, seine Melodien durchdrangen
den Abend, darum gruppierten sich
die anderen Komponisten.
Folgerichtig heißt die neue CD der
Gruppe auch „Songs from Neverland".
Die vier Musiker transportierten die
diffizilen harmonischen Figuren fein
abgestimmt, kristallisierten
spezifische Rhythmusfolgen
raffiniert heraus. |
Joo
Kraus plauderte zwischen den
einzelnen Musikfolgen über die
Gruppe, ihre seit 15 Jahren vom Pop
der 80er geprägte Musik und sang
auch selbst. Das war zwar mehr
Sprechen auf Tonhöhe, traf aber
ausdrucksintensiv den jeweiligen
Stückcharakter. Er zeigte sich auch
als sprachgewandter Rapper,
lediglich bei den ganz langsamen
Songs versickerte die Stimme mangels
Tragfähigkeit etwas.
Kraus
wechselte zwischen dem Strahlklang
der Trompete und dem abgedämpften
gedeckten Ton des Flügelhorns, mit
dem er einen eher intimen
Klangcharakter kultivierte. Denn
eine der Stärken der Gruppe waren
die lyrisch-weichen Songs, die sie
mit gefühlvoll-gespannten Adagios
in die erwartungsvoll geöffnete
Zuhörerohren tanzen ließen, gaben
leiseren Songs mit
kammermusikalischem Touch bildhafte
Gestaltung. Andererseits spielten
sie auch einen mitreißenden Beat.
Ihr
Klanggefühl war immer kultiviert,
hatte die nötige Portion Dezenz. Es
war ein Abend
künstlerisch-zivilisierter Popmusik
mit großer stilistischer
Bandbreite, harmonisch, verbindlich
und einfach schön. |